Thementag Brucknerhaus/Brucknerfest 2026
Show transcript
00:00:00: Gemeinsam im Stehenden Jetzt.
00:00:03: Das Brucknerfest LINZ-SW-KLINZ, lät zu außergewöhnliche musikalischen Momenten zwischen Tradition, Aufbruch und Unendlichkeit.
00:00:15: Ein Thematag auf Radio Klassik Stefan Stohm
00:00:19: heute
00:00:19: live aus dem Bruckener Haus LINZZ.
00:00:25: Sie hören an den Thementag live aus links.
00:00:28: Wir sitzen im kleinen Saal auf Galeriebene in Brugnerhaus und mir gegenüber Platz genommen hat Paula Schlüter, sie ist verantwortlich für Programm- und Darmaturgy hier im Haus und natürlich auch fürs Bruggerfest.
00:00:40: herzlich willkommen!
00:00:42: Hallo schön dass ihr heute bei uns seid.
00:00:45: Worauf blickst du jetzt mit besonderer Spannung in den kommenden Tagen?
00:00:50: Was ich so spannend an dem Motto des diesjährigen Brucknerfestes finde, ist eben dieses Endlich in seiner ganzen Vieldeutigkeit und Ambivalenz.
00:00:59: Nämlich einerseits diese kindliche naive Aufbruchsstimmung, endlich geht es wieder los... die ich und meine Kollegen auf jeden Fall gerade spüren.
00:01:06: Wir freuen uns wahnsinnig auf das Konzert morgen, dass einfach wieder Leben im Haus ist, dass Wiederveranstaltungen stattfinden, dass die Saison dann später auch losgeht und jetzt natürlich erst mal das Brugner fest.
00:01:16: Und gleichzeitig aber auch dieses Spannungsverhältnis Endlichendlichkeit, natürlich erstmal eine Voraussetzung für Musik als Zeitkunst, der immer ein Ende hat Und gleichzeitig natürlich auch das große Menschheitsthema der Endlichkeit, der Vergänglichkeit und der Sterblichkeit.
00:01:34: Dass sich wiederum in der Musikgeschichte in ganz vielen verschiedenen Kompositionen niederschlägt.
00:01:40: Und das muss überhaupt nicht heißen, dass es immer um Tod geht.
00:01:44: Es ist immer traurig ist, sondern ganz häufig sind diese Werke gleichzeitig ja auch eigentlich eine Liebeserklärung ans Leben in dem sie halt diese Kostbarkeit der menschlichen Existenz thematisieren.
00:01:59: Und jetzt konkret an Konzerten, die in den nächsten Tagen oder in der nächsten paar Wochen stattfinden.
00:02:05: Worauf möchtest du da besonders hinweisen?
00:02:07: Ja ein Konzert das eigentlich ganz paradigmatisch für dieses Thema steht ist findet am sechzehnten September statt mit Philipp von Steinecker, der Mezzosopranistin Fleur Barron und dem Maler Academy Orchestra.
00:02:20: wenn man Wenn man sich das Programm anschaut von diesem Konzert, dann denkt man vielleicht erst mal okay.
00:02:25: Das ist ganz schön harter Tobak.
00:02:26: in der ersten Konzerthälfte werden die Kindertoten-Lieder gespielt und das ist auch harter tobak.
00:02:32: Das muss man gar nicht leugnen.
00:02:34: basierend auf den Gedichten von Friedrich Rückhardt, die er geschrieben hat angesichts des Verlusts von zwei seiner Kinder schon in den Achtzehnunddreißiger Jahren.
00:02:43: Und als Maler dann diese auf diese Gedichte stößt um die Jahrhundertwende, also Ninzehunderteins, fasziniert ihn diese tiefe Trauer, die darin steckt.
00:02:55: Ironischerweise hat er selber zu dem Zeitpunkt alsel mit diesen Kompositionen beginnt, selbst noch gar keine Kinder ist noch nicht Vater geworden und hat auch noch keine Ehefrau.
00:03:04: Er lernt dann erst neunzehnteins einmal Maler kennen aber trotzdem faszinate ihm eben diese Tiefe Liebe, die eigentlich da drinsteckt und das hat der ganz eindrucksvoll dann vertont.
00:03:15: Im zweiten Teil kommt dann die Neunte Symphonie von Gustav Mahler.
00:03:19: Wir haben sie heute auch schon mehrfach angespielt und über dieses Stück geredet, da werden die Kindertoten wieder ja auch noch einmal zitiert oder?
00:03:27: Genau!
00:03:27: Die tauchen im letzten Satz nochmal auf.
00:03:30: und auch die neunte Symfonie ist einfach ein gigantischer Werkkosmos der Einerseits die Vergänglichkeit thematisiert.
00:03:40: Mahler hat ja im ersten Satz selber auch lebt wohl, lebt in die Partitur geschrieben.
00:03:46: Und es gibt da eben so ein Motiv, dass das Lebewohl-Motiv ist und wieder aufgreift.
00:03:53: Das heißt er selber hat eigentlich schon diesen intertextuellen Zusammenhang hergestellt und gleichzeitig ist das Werk aber nicht nur eine Vorankündigung seines eigenen Todes.
00:04:04: Er verstirbt ja zwei Jahre nachdem er die neunte Symphonie komponiert sondern eben eigentlich ein Fest des Lebens und einen Ausdruck einer ganz tiefen Liebe zum Leben, die man darin hören kann.
00:04:18: Und darauf freue ich mich schon wahnsinnig!
00:04:22: Es ist fünf zu nur zehn, zehn Minuten nach drei Uhr.
00:04:25: Mir gegenüber sitzt Paula Schlüter verantwortlich für Dramaturgienprogramm hier im Haus und für das Brugnerfest.
00:04:35: Wir wollen noch besonders auf zwei Konzerte hinweisen, die wir heute eigentlich noch gar nicht wirklich besprochen und wir haben es kurz mal gestreift.
00:04:44: Paula bitte!
00:04:45: Ein weiterer Höhepunkt, auf den ich mich schon sehr freue ist Christian Tetzlaff.
00:04:49: Der am XXV September abends um neunzehner dreißig im alten Dom die Sonaten und Partiten Nummer zwei und drei von Johann Sebastian Bach spielen wird und damit eigentlich uns hoffentlich ein Stückchen Unendlichkeit in diesem barocken Ambiente des Doms bescheren wird.
00:05:07: diese partiten haben eine ganz eigene Dramaturgie.
00:05:12: Bach hat ja immer diese Paare Sonatenpartiten in einem Zyklus komponiert und jedes Werk ist für sich selbst ein eigener Kosmos, aber gerade wenn man diese Sonaten- und Partiten hintereinander hört so wie Tetzlaff sie spielt und er ist ja selber einen sehr ausdrucksstarker, rhetorischer Interpreter die Stücke wirklich wie seine Westentasche kennt und ich bin einfach total gespannt darauf was er uns da erzählen wird an dem Abend
00:05:38: Wenn man noch dazu bedenkt, dass eben eine Solovioline in diesem großen Dom dann auch noch einen zusätzlichen Effekt erzielen wird oder?
00:05:45: Ja im Vergleich zum Mariendom ist der alte Dom natürlich etwas kleiner und nicht so gigantisch.
00:05:50: Da muss man sich keine Sorge um zu viel Nachhalt machen auf jeden Fall aber ich glaube auch das es sehr stimmungsvoll und atmosphärisch sein wird.
00:05:58: Das zweite Konzert darfst du jetzt noch aufmerksam machen wolltest.
00:06:02: Das findet am dreißigsten September statt bei uns hier im großen Saal.
00:06:06: Und zwar haben wir das BBC Philharmonic Orchestra hier zu Gast, sehr aufregend und spannend mit der Dirigentin Anja Bielmeier und der Audi Jugendchorakademie und sie singen Brahms-Requem Ein Stück, das ebenso diese Endlichkeitsthematik wieder aufgreift.
00:06:23: Aber eigentlich auch wieder ins positive Kehrt denn Brahms hat sich beim Requiem nicht am jüngsten Gericht orientiert an diesen häufig martialischen Klangstrukturen sondern er wollte eigentlich Trost spenden für die Hinterbliebenen und ihnen Kraft geben in Zeiten der Trauer und ich finde es ist ein unglaublich schönes berührendes Werk auf das ich mich schon sehr freue.
00:06:52: Sagt Paula Schlüter, verantwortlich für Programm- und Dramaturgie beim Bruckner Fest und auch hier im Bruckener Haus.
00:06:57: Danke für den Besuch her!
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