Lehár Festival 2026
Show transcript
00:00:00: Einen wunderschönen Nachmittag, meine Damen und Herren.
00:00:03: Herzlich willkommen beim Leha-Festival-Zweitausendundsechsundzwanzig!
00:00:07: Mein Name ist Thomas Entsinger.
00:00:09: Ich möchte Ihnen heute hier diese Einführung geben von diesem Meisterwerk von Bokaccio.
00:00:14: Wundern Sie sich nicht das ich heute hier stehe in diesen improvisierten Studio?
00:00:19: Das hat damit zu tun dass heute ein ganzer Tag Radio-Klassik Stefan Sturm hier bei uns live überträgt mit vielen Interviews und eben jetzt im Augenblick auch dass, was ich Ihnen erzählen werde über dieses Stück.
00:00:33: Ich bin an dem Stück noch mehr dran sogar als bei anderen Einführungen, weil ich das, was Sie heute auf der Bühne sehen auch aus Regisseur selber inszeniert habe und es hat mir auch Riesenfreude gemacht, weil das wirklich ein ganz ganz besonderes Werk ist komischerweise gar nicht so oft auf den Spielplänen der Häuser steht, aber das hat auch damit zu tun.
00:00:56: Da komme ich dann später noch darauf, dass diese Handlung sehr komplex ist und es sehr personalintensiv auch ist.
00:01:03: Dieses Werk von Suppe ist aus dem Jahr eighteen neunundseventeig rausgekommen.
00:01:08: Drei Jahre davor war der Fraziniter geschrieben was ein Riesen Erfolg war und eigentlich Frazinator und dieses Werk gehören zu den bekanntesten Werken von Franz von Suppé und Ich glaube mit Recht!
00:01:19: Weil diese Musik, das ist wirklich ganz, ganz große meisterliche Musik gerade wie ich mich dann so intensiv mit diesem Stück auch beschäftigt habe und diese viele Feinheiten herausgefunden haben die diese Komposition mit sich trägt.
00:01:35: Was man hier auch sehr erkennen kann bei diesem Stück ist es haltenslicher doch ein altes Werk also einer der frühen Operetten in der Operettengeschichte.
00:01:45: Operetten wie wir sie kennen sind ja entstanden in Frankreich zurzeit von Hauptsächlich mit Orphels in der Unterwelt.
00:01:51: Da hat dieser Trend begonnen, mit Operetten und das ist ein ganz frühes Werk eben auch.
00:01:56: Und der Unterschied zu späteren Werken zum Beispiel dann in der Keilmann-Ehrer, dass unter anderem der Chor eine ganz andere Bedeutung noch hat.
00:02:06: Der Chor ist viel selbstständiger eigenständig mit ganz großen Chornummern auf der Bühne auch mit ganz grossen Finallnummern wo der Chore eine ganz eigenständige Funktion hat.
00:02:18: Bei späteren Werken wenn man
00:02:19: z.B.,
00:02:20: ja sogar Leher nimmt aber auch Keilman nimmt, ist der Chlor zwar auch sehr präsent steht aber im Dialog und darstellern auf der Bühne.
00:02:31: Das heißt, das ist dann oft wie ein Zwiegespräch was geführt wird!
00:02:34: Und bei diesen ganz alten Werken hat es noch eine ganz andere Selbstständigkeit vom Chor selber.
00:02:40: Das werden Sie heute auch in den großartigen Chorszenen selber erleben.
00:02:45: Was das Besondere an diesem Werk ist, ist dass das Thema das Thema Bokaccio.
00:02:52: Das ist nämlich eigentlich auch für damals sehr ungewöhnlich gewesen.
00:02:56: Bokaco, ich möchte ein bisschen was über das Leben von Bokaccio erzählen.
00:03:00: Bocaccio war ein Dichter vor siebenhundert Jahren am Anfang der Renaissancezeit und also er hatte wirklich gelebt, er hat in Florenz gelebt eine Zeit lang auch in Erpel gelebt.
00:03:10: Dies aber dann mit dem Geldmangel wieder nach Florenz zurückgegangen und er war ein sehr engagierter Dichterin.
00:03:17: Er gilt als als der Vorreiter des italienischen Humanismus.
00:03:23: Und er war es wirklich in seiner ganzen Art Wasserpropagierter, das war für damals schon revolutionär und ist dann auch sehr berühmt geworden damit.
00:03:31: Das heißt, er hat propagiert die Selbstständigkeit von Menschen, die Eigenständigkeit.
00:03:36: Es ist ja früher Renaissance davor aber das Mittelalter der Aberglaube war sehr groß Die Religion hatte einen unglaublichen Stellenwert gehabt.
00:03:44: Die Kirchen waren unglaublich stark zum Teil auch sehr gefürchtet Und er hat propagiert genau das Gegenteil.
00:03:51: Nein, der Mensch ist selber verantwortlich.
00:03:53: wir Menschen müssen miteinander den Weg gemeinsam finden jeder für sich aber auch miteinander um die Welt zu gestalten und das war für damals wirklich revolutionär.
00:04:04: da komme ich dann auch noch dazu auch das Frauenbild was er propagiert hat Aber nämlich im positiven propagiert.
00:04:12: Das Interessante ist aber, dass er das jetzt nicht gemacht hat mit so heroischen Geschichten und die Menschen müssen so sein.
00:04:20: Sondern eigentlich einen ganz anderen Weg gegangen ist, weil es ein berühmterstes Werk, das man ja bis jetzt wirklich noch kennt, ist der Kamarom.
00:04:27: Man kann der Kamerone oder den Kamaron sagen – es ist beides gestattet oder auch in Verwendung – Zeichnet sich schon auch aus, dass es sehr frivol bis zu einer gewissen Grad sogar obszön ist.
00:04:43: Und die Grundgeschichte von der Camarones geht darum... Es spielt eben so eine Mittelalterzeit.
00:04:50: Die Pest ist ausgebrochen und zehn feine Leute ziehen sich zurück auf ein Landgut, damit sie nicht die Pest bekommen.
00:04:58: Und die vertreiben sich ihre Zeit damit, dass sie sich gegenseitig Novellen erzählen – und zwar an zehn Tagen zehn Novellen!
00:05:06: Und immer der, der gerade dran ist, eine Novelle zu erzählen, der setzt sich eine Erzählkrome auf….
00:05:12: also das ist der Kameron.
00:05:13: dieses Werk ja?
00:05:15: setzt sich eine Erzählkrone auf und dann ist er dran, eine Novelle zu erzählen.
00:05:19: Und das Revolutionäre eben an diesem Werk ist – es ist erstens einmal im Proser geschrieben, also nicht gedichtet – und was in diesem Werk so revolutionär ist, dass Sehr derbe Geschichten, direkt an die Menschsein dran sind.
00:05:35: Zum Teil witzige Geschichten aber eben sehr frivole kritische Geschichten auch und deswegen wurde dieses Buch bis ins letzte Jahrhundert in ganz vielen Ländern verboten unter anderem auch in Amerika noch weil es eben frivol war.
00:05:49: Aber das ist jetzt ein bisschen eine Theorie.
00:05:52: Ich bin sicher, das stimmt auch.
00:05:54: Weil auch die Herrscherenden Angst gehabt haben vor diesem Buch?
00:05:58: Weil in diesem Buch werden nicht nur die Freiheit der einzelnen sehr hervorgehoben sondern es kommt auch noch dazu und wir leben ja immer noch aber damals noch viel mehr ein paar tragischen Verhältnissen.
00:06:10: Es wurde propagiert auch eine Freiheit der Frau Auch in sexueller Hinsicht Dass sie sich lösen dass sie nicht mehr abhängig sind von den Männern, dass sie sich das nicht gefallen lassen also vom menschlichen Lösen und ihren eigenen Weg gehen.
00:06:26: Aber das ganze mit Raffinette, mit Witz, mit der Arbeit sind diese diese Novellen, die geschrieben wurden.
00:06:34: Dieses Buch ist gerade jetzt wieder in einer edlen Fassung neu rausgekommen.
00:06:39: eine berühmte Verfilmung gibt es auch vom Basolini aus den, glaube ich, achtziger Jahren, siebzig oder achtziger Jahre und es gibt derzeit – ich finde sie nicht sehr gut – auch eine Netflix-Serie, derzeit mit dem Thema De Camarón.
00:06:51: Und das als Thema zu nehmen für eine Operette ist natürlich nicht unsparmen!
00:06:57: Er hat natürlich die Operette dann ein bisschen angepasst auch an das Publikum, dass er bedienen wollte.
00:07:05: Es ist jetzt der Figur von Pocaccio im Vordergrund mit einer Liebesgeschichte mit den vier Metern – dies aber wirklich gab muss man dazu sagen!
00:07:15: Aber es sind zwar zwei oder drei Novellen drinnen verarbeitet, aber im Prinzip ist es eine sehr brave und glaube ich personallintensive Geschichte im Original.
00:07:24: Das ist auch einer der Gründe, warum's vielleicht nicht ganz so... oft gespielt wird im Stück, weil die Musik ist ja wirklich grandios.
00:07:30: Und wir haben jetzt natürlich überlegt wenn wir dieses Stück hier machen wie gehen wir das Stück an?
00:07:36: Erstens einmal war es bei uns aufwandsmäßig gar nicht möglich, es in der Original-Großenfassung zu machen und wir haben jetzt viele Teile von dieser Fassung von der Musik, von den Dexen in der Musik sowieso da ist alles gleich.
00:07:47: Haben wir herausgenommen, haben aber das Thema vom Decameron was Boccaccio im geschrieben hat noch viel mehr intensiver gemacht.
00:07:55: Das heißt bei uns sind auch zehn Menschen auf der Bühne die eine Erzählkrone kriegen und jeder erzählt eine Novelle Und die ganze Handlung tut sich anhand dieser Novellen fortsetzen.
00:08:08: Manchmal tut es auch ein bisschen davon wieder abweichen, also es ist genau dieses Thema eigentlich was Pocaccio in Sinnen gehabt hat – das versuchen wir hier in einer charmanten Fassung in der Zeitspielend, in Florentspielend auf diese Bühne zu bringen und dann haben wir noch einen….
00:08:26: Also Jenny wie Gregor hat diese Fassung auch geschrieben.
00:08:29: unsere Dramaturgien.
00:08:32: Ich finde persönlich sehr, sehr gut und noch kniffgemacht dann im letzten Akt.
00:08:37: Das ist nicht so, jetzt hör mal auf, Liebesgeschichte zu Ende sondern hat das noch philosophisch überarbeitet worum es eigentlich diesen Dichter gegangen ist nämlich um diesen Humanismus und diese Eigenverantwortung.
00:08:50: Und das macht glaube ich gerade auch diesen Abend aber generell dieses Stück so spannend.
00:08:55: unsso besonders Ja, es geht einfach um Menschsein.
00:08:59: Und das wollten wir zeigen und zwar in einer Form ohne dass wir dieses Werk, weil das ist mir immer ganz wichtig in irgendeiner Form zerstören oder zertrümmern sondern nur dass wir es ergänzen einfach mit diesen Blickwinkeln auch noch dazu.
00:09:13: Das ist das was Sie heute hier auf der Bühne sehen werden und ja ich hoffe es gefällt Ihnen!
00:09:18: Es ist glaube ich ein anderer spannender Zugang und trotzdem ist es dieses Stück.
00:09:23: meine Prämisse ist sowieso immer auch wenn man Theater macht.
00:09:26: Theater muss nicht in heutigen Kleidern daherkommen.
00:09:29: Man hat das Recht sich wegzuträumen, in Fantasiewelten reinzutrauchen aber wenn man dann noch ein bisschen was trotzdem mitnimmt an die Hintergründe und Philosophien umso besser.
00:09:39: und das ist den Weg den wir jetzt bei dieser Vorstellung heute versuchen zu gehen ja?
00:09:45: In dem Sinne wünsche ich Ihnen gute Unterhaltung.
00:09:47: schön dass Sie da sind!
00:09:48: Dankeschön.
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