Lehár Festival 2026

Show transcript

00:00:01: Reisen Sie mit dem Leha-Festival Bad Ischl rund um die Operettenwelt.

00:00:05: Zum Fünfundsechzigjahr Jubiläum senden wir heute für sie live aus der Festspielstadt.

00:00:12: Thema ein Tag vom Leha Festival in Bad Ischlil, Wir sitzen im Saalfoyer und mir gegenüber.

00:00:19: Platz genommen hat jetzt Jenny Gregor.

00:00:21: Sie ist für die Dramaturkibelsfestivals verantwortlich.

00:00:23: Herzlich willkommen!

00:00:27: Für dich als Dramaturgin ist ja eigentlich das heurige Festival praktisch vorbei oder?

00:00:34: eher theoretisch ist es vorbei, weil praktisch läuft das mal und praktisch bin ich natürlich auch bei den Vorstellungen hier.

00:00:41: Tatsächlich theoretisch bin Ich schon weit darüber hinaus nämlich im nächsten Sommer in der Saison siebenundzwanzig.

00:00:48: Wir blicken trotzdem jetzt auf das laufende Festival.

00:00:52: Da gibt es ja so wie jedes Jahr einmal einen Lea und dann gibt es zwei ganz große und prominente Operetten.

00:01:01: Die Gräfin Maritza hat als Letztes jetzt Premier gehabt, wer ist diese Grefin?

00:01:07: Die Grefin ist bei uns im Stück tatsächlich gar keine Grefin weil die Regisseurin die Fassung so umgeschrieben hat dass die Großmutter die Grefin.

00:01:17: Ansonsten ist es eine Frau, die sehr zerrissen ist.

00:01:20: Auf der einen Seite hat sie ihre Emotionalität.

00:01:23: Sie ist wie jeder andere ein Mensch, der Sehnsicht und Träume hat.

00:01:28: Und auf der anderen Seite ist ihr aber gebunden in ihren gesellschaftlichen Verhältnissen, in Dingen, die an sie herangetragen werden, die sie erfüllen muss, denen sie gerecht werden muss.

00:01:41: Und diese Zwiespalt, der dadurch entsteht wird in den Szenierung sehr schön erzählt

00:01:45: Sagt Jenny Grego, sie ist verantwortlich für die Dramaturgy beim Leha-Festival.

00:01:51: Wir haben jetzt die Griffin Maritzer und damit eines der bekanntesten Werke von Kallmann.

00:01:56: Der Boccaccio von Franz von Suppé ist nicht so oft auf den Spielplänen.

00:02:01: Was gibt es zu dem zu sagen?

00:02:03: Zudem gibt es insofern, dass ich der festen Überzeugung bin.

00:02:06: Dass das sehr schade ist und selten gespielt wird.

00:02:09: Weil es ein wunderschönes Stück ist.

00:02:10: Ich glaube tatsächlich, dass es auch eine logistische Frage ist warum es so seltengespielt wird weil im Original die Besetzung extrem groß ist und vor allem sehr viel Chor verlangt.

00:02:20: Wir sind das Risiko beim Leher-Festival trotzdem eingegangen Und haben dafür eine besondere Fassung geschrieben, die näher am Decameron sich orientiert Im Hauptwerk von Boccaccio Bekanntes durch die Pandemie vor einigen Jahren auch wieder neue Relevanz gewonnen hat.

00:02:38: Und die Struktur, die im Dickhammeron ist – also dass sich zehn Menschen treffen, die sich gegenseitig Geschichten erzählen – haben wir übernommen und dadurch ist die Besetzung natürlich ein wenig kleiner geworden.

00:02:50: Dadurch war es für uns auch umsetzbar und bis jetzt ist die Resonanz vom Publikum sehr gut und vor allem musikalisch muss ich zugeben, mit Abstand einer der schönsten Operetten, die ich je gemacht habe.

00:03:03: Jetzt fällt das Leha-Festival ein Jubiläum, ein halbrundes.

00:03:07: Die fünfundsechzigste Ausgabe und da gerade aufs Programm gesetzt eine Operette von Franz Lehader die also ich habe zumindest in meiner Vorbereitung nur eine einzige Gesamtaufnahme gefunden wenn sie überhaupt gesamt ist und dies aus dem Jahr nineteen fünfundvierzig Und die ist aufgenommen noch während des zweiten Weltkriegs.

00:03:26: Wie kann es sein dass der Göttergatte so überhaupt nicht vorgekommen ist in den letzten Jahrzehnten?

00:03:32: Und warum gerade dieser Göttergatte zum Jubiläum?

00:03:37: Das hat mehrere Ursachen tatsächlich.

00:03:39: Also wir versuchen auf der Position, auf der dritten Position die Halbszene stattfindet immer unbekannte Stücke zu spielen.

00:03:46: Der Götterngatte gehört definitiv dazu und wir versuchen auch Stücke von Leha zu spielen – es gibt sie noch, es werden weniger aber es gibt Sie noch, die noch nie in Ischel gelaufen sind.

00:03:57: Auch dazu zählt der Göttersgatte Und für mich ist der Göttergarten insofern etwas sehr Besonderes.

00:04:05: Also tatsächlich erst mal, warum er nicht gespielt wird, dass Leha zu Lebzeiten das Stück selber zweimal umgearbeitet hat.

00:04:11: Das gibt die ideale Gattin und die Tango-Königin.

00:04:15: Eine ist zehn Jahre später entstanden, das andere knapp zwanzig Jahre später.

00:04:19: auch die waren beide nicht sonderlich erfolgreich.

00:04:23: Was beim Göttegatten aber sehr interessant ist, es ist ein sehr früheres Werk von Lehas noch vor der lustigen Witwe raus gekommen Und man schon da sieht, dass Leha einen unglaublichen Drang hatte zu experimentieren.

00:04:35: Er hat einfach seit seines Lebens immer versucht, Genre, das Genre-Operette anders zu begreifen weil er dadurch, dass er nicht von der Operette kam sondern musikal-, militärmusikapermeister war, hat er sich diese Freiheit einfach genommen zur Experimentierung und auszuprobieren.

00:04:56: Ich finde das insofern sehr spannend, auch musikalisch sehr schön.

00:04:59: Sehr interessant weil es auf der einen Seite noch diesen militärischen Charakter hat und auf der anderen Seite hört man schon deutlich das Lyrische durch was später kommt dass man diese Entwicklung, die Franz Leher als Komponist gemacht hat.

00:05:13: Dass man sie mit nachvollziehen kann.

00:05:14: Also es ist sozusagen auch ein kleines Stück Musiktheatergeschichte oder Operettengeschichte, die wir dadurch auf die Bühne

00:05:20: bringen."

00:05:21: Sagt Jenny Wegregos.

00:05:22: Sie ist verantwortlich für die Dramaturgie beim Leharfestival in Bad Ischl.

00:05:27: Dieses Festival in Bad Ischl, das scheint sehr viel Dinge richtig zu machen weil es ist praktisch alles ausverkauft.

00:05:35: Die Operette die schon so oft totgesagt wurde oder als uninteressant abgestempelt wurde scheint hier zu funktionieren völlig ohne die Konflikte und die Probleme der letzten Jahre Jahrzehnte.

00:05:46: was macht das so besonders?

00:05:49: Das ist von Ihnen natürlich schwer zu beurteilen.

00:05:51: Ich glaube, dass wir oder zumindest ist das die Zielsetzung vom Intendanten, vom Thomas Enzinger und auch von mir wenn wir Fassungen bearbeiten oder allgemein den Spielplan programmieren, dass wird dieses Genre als das nehmen was es damals war also vor reichlich hundert Jahren dass es eine Kunstgattung ist, die damals schon sehr offen war.

00:06:13: Die immer Bezug genommen hat zu aktuellen politischen Themen auch.

00:06:18: Die aber nie den Zeigefinger gehoben hat.

00:06:21: Sondern die auf eine sehr charmant manchmal frivole leichte Art und Weise einen Kommentar dazu gesetzt hat vielleicht auch die Chance hat ein Diskurs zu öffnen vor allem aber unterhält und trotzdem auch emotional berührt.

00:06:37: Und ich glaube das diese Mischung aus diesen drei Aspekten etwas ist, was die Operette als ganzes sehr besonders macht.

00:06:45: Weil es ein Genre ist das sehr viel kann und wir versuchen das zu bedienen und offensichtlich ist das etwas was die Leute mögen.

00:06:54: Vielleicht liegt auch daran dass wir im Sommer sind und dass es bald ischel ist und das hier natürlich wahnsinnig schön ist.

00:07:00: im Salz kann man gut aber ich glaube tatsächlich dass das eine große Rolle spielt.

00:07:05: Wenn man die jetzt so zugehört hat, dann müsste es ja eigentlich so sein dass man ein dringendes Bedürfnis haben muss Operette zu hören wenn es so aktuell ist und auch mit der Schamantenform mit heiklen Themen umgeht.

00:07:19: Warum hat aber gerade die Operette diesen Touch des Altmodischen das Verstaubten?

00:07:26: Das ist ja etwas womit viele Künstlerinnen und Künstlern zu kämpfen haben dass die Operett einen schlechten Ruf

00:07:31: hat.

00:07:33: Ich kann das so nicht bestätigen, was vielleicht auch daran liegt dass ich mich viel mit Menschen umgebe die das Genre auch sehr mögen.

00:07:42: Ich denke es kommt vor allem daher das handwerklich gesehen die Operette eines der komplexesten Genres ist weil unglaublich viele Dinge zusammen kommen.

00:07:51: Es ist anders als bei Musical ist es eine Musik dadurch klassische Sänger hat, klassisch ausgebildete Sänger braucht.

00:08:00: Ein Chor hat das es handwerklich sozusagen sehr fordernd ist dass man ein Ballett auf der Bühne hat, das auch dramaturgisch eingebunden gehört nicht nur als ja einen Tanz-Anshorn will das auch mal Requisiten durch die Gegend trägt oder eine Bühneneinrichtung oder eine bühntechnische Vorgänge bedient.

00:08:24: und ich glaube Diese handwerklichen Anforderungen, die man braucht um Operette zu bedienen also auch dass man als Regisseur versteht.

00:08:35: Die Fallhöhe in der Figur das sie auf der einen Seite natürlich pointiert sind lustig sind aber trotzdem die emotionale Tiefe haben Das ist glaube ich sehr fordernd weil anders als in der Oper es nicht dauerhaft von der Musik bedient wird anders als im Schauspiel nie diesen Unmittelbaren Katasys Effekt hat, der es zum Inszenieren teilweise einfacher macht.

00:08:58: Weil ein Ziel ganz klar vorgegeben ist in einem klassischen Drama und ich glaube dass diese Vielschichtigkeit von den Menschen die Operette macht unglaublich viel abverlangt und dem gerecht zu werden ist natürlich fordernd an die Künstlerinnen und Künstlern, die es versuchen umzusetzen.

00:09:22: Der Abgesang an die Operette auch eine Verneigung vor der Komplexität.

00:09:27: Dass man einfach anerkennt, dass es ein Genre ist, das ganz andere, ganz besondere Bedürfnisse stellt – an die Macherinnen und Macher.

00:09:36: Jenny wie Gregor verantwortlich für die Dramaturgie beim Leher-Festival im Bad Ischel.

00:09:41: Danke für die Zeit!

00:09:42: Danke, dass du dir die Zeit genommen

00:09:43: hast.

00:09:45: Gerne...

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