Perspektiven: Die Sprache der Pflanzen

Show notes

Themen dieser Sendung:

  • Wie Pflanzen miteinander kommunizieren
  • Welche Wälder für uns Menschen die gesündesten sind
  • Wo diese Wälder in Städten wie Wien zu finden sind
  • Was die Forschung zur Pflanzenkommunikation für den Naturschutz bedeutet

Die Sendung zeigt, wie Pflanzen Informationen austauschen – und warum diese Erkenntnisse für Klimaschutz, Forstwirtschaft und unser Wohlbefinden entscheidend sind.

Gestaltung: Gerlinde Petric‑Wallner Format: Perspektiven

Show transcript

00:00:17: Seit wenigen Tagen, seit dem zwanzigsten März ist es offiziell der kalendarische oder astronomische Frühling hat begonnen.

00:00:25: Aus diesem Anlass bringen wir heute in den Perspektiven eine grüne Sendung aus unserem Archiv konkret die Sendung mit dem Titel Die Sprache der Pflanzen.

00:00:35: Pflanzen können einander vor Schädlingen waren und so helfen – oder aber andere Pflanzen am Wachsen hindern!

00:00:42: Das zeigen Forschungen zur Kommunikation der Pflanzen.

00:00:45: Gezeigt wird dabei auch eines, die Botenstoffe der Pflanzen beeinflussen auch uns Menschen.

00:00:51: Der Biologe- und Buchautor Climens Arwei hatte sich intensiv mit der Sprache der Pflanzen beschäftigt – er ist es im Jahr zwanzig verstorben.

00:01:00: Die Sendung war nominiert für den österreichischen Umweltjournalismuspreis.

00:01:05: In der nun folgenden Sendung erfahren Sie unter anderem auch, welche Wälder, welche Bäume für uns Menschen am gesündesten sind und wo diese in Wien zu finden sind.

00:01:44: Die

00:01:48: Wälder pflanzen, fasziniert Clemens Aber schon von klein

00:01:52: auf.

00:01:53: Mein Großvater war Botaniker und Forstwirt und hat mich schon

00:01:57: früh

00:01:58: auf Streifzüge in seine Riviere mitgenommen Und er war auch der erste, der mir wirklich wichtiges und vieles über Pflanzen beigebracht hat und das hat mich auch nie wieder losgelassen.

00:02:11: aber später in meiner Laufbahn als Biologe habe ich mich immer mehr damit zu befassen angefangen was mich als Menschen mit Pflanzen verbindet, wo mein Platz in der Natur ist und warum es mir so gut tut in der natur zu sein.

00:02:27: Mit Pflanzen aber auch mit Tieren- und Ökosystemen in Kontakt

00:02:31: zu

00:02:32: kommen.".

00:02:34: Clemens Awe wächst am Stadtrand von Graz auf ganz nah zum

00:02:38: Wald.

00:02:39: Ich konnte von meinem Kinderzimmer durchs Fenster in die Baumkronen schauen und habe dort die Eichkätzchen beobachtet.

00:02:47: In der Nacht, die Eulen und die Waldkautze gehört wie ihre Rufe durch den Wald gehalten haben.

00:02:54: also wirklich sehr sehr naturnah.

00:02:56: das hat mich sicher auch geprägt Und dieser Wald hat für mich als Kind auch eine große Bedeutung gehabt.

00:03:02: Wir haben dort Baumhäuser gebaut, Verstecken gespielt wir haben dort Teamwork gelernt eben auch beim Errichten von Dämmen am Bach zum Beispiel.

00:03:11: da muss man ja kooperieren und wir haben ganz viel Geschicklichkeits-Training im Wald absolviert.

00:03:17: und später als Jugendlicher hat der Wald auch eine Rolle für mich gehabt als Rückzugsort zb bei sozialen Konflikten oder wenn ich psychischen Kummer gehabt habe.

00:03:28: Heute ist der Wald zu seinem Beruf geworden.

00:03:30: Clemens Aver interessiert vor allem die Wirkung des Waldes auf die Gesundheit des Menschen.

00:03:35: Zahlreiche Bücher hat er dazu verfasst, darunter der Biofilia-Effekt oder der Heilungskot der Natur.

00:03:43: In seinen Büchern beschäftigt er sich auch damit wie Pflanzen kommunizieren.

00:03:47: Pflanzen komunizieren über biologische Botenstoffe miteinander – das können wir uns ganz ähnlich vorstellen als unsere Organe untereinander!

00:03:56: kommunizieren durch den Austausch von Botenstoffen, auch von elektrophysiologischen Signal und so weiter.

00:04:04: Und diese Kommunikation der Pflanzen geht zurück auf die frühen Karbonwälder wo also eigentlich nur Baumfahrene gewachsen sind in den Kohlewälden.

00:04:17: und da haben diese Gewächse, diese Vorläufer der heutigen Bäume bereits sogenannte Terpene genutzt, um Botschaften untereinander auszutauschen.

00:04:30: Und das ist heute noch die wichtigste Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe, die im Wald in der Natur das ganze Sozialleben der Pflanzen managt

00:04:42: sozusagen.".

00:04:43: Terpener definiert Awe als bedeutungstragende Moleküle in der Welt der Pflanzen.

00:04:47: mit diesen Botenstoffen kann die Pflanze zum Beispiel eines vor Schädlingen warnen.

00:04:53: Also

00:04:54: wenn ein Schädling im Anrücken ist, fährt ein Baum eine Pflanze ihr Immunsystem hoch und gibt dadurch auch mehr von diesen Terpenen ab.

00:05:04: die verbreiten sich gasförmig in der Waldluft zum Beispiel und andere Bäume, die auch weiter wegwachsen können diesen Terpen-Gehalt detektieren.

00:05:13: Und haben auch evolutionär gelernt ihn zu deuten.

00:05:16: das heißt sie können Schlüsse daraus ziehen wie groß die Schädlingsarmee ist welcher Schädling da im Anrücken ist Angriff ist.

00:05:28: Und so können sie sich prophylaktisch rüsten, indem Sie auch Ihr Immunsystem spezifisch hochfahren und dadurch den Wald gemeinsam vor der Zerstörung

00:05:38: schützen.".

00:05:38: Das Warnsystem der Pflanzen braucht ein funktionierendes Ökosystem – einen intakten Lebensraum.

00:05:44: Reine Monokulturen zählen nicht dazu!

00:05:47: Und wir haben ja heute oft auch Baummonokulturen, Fichtenmonokulturen und so weiter.

00:05:52: Wenn man da hineingeht dann merkt man schon dieses Gleichgewicht ist nicht mehr da das Ökologische.

00:05:58: Nicht nur können sich Schädlinge wie ein Lauffeuer ausbreiten weil eben nur eine oder wenige Speziastort wachsen die dann vielleicht anfällig sind sondern auch weil diese Kommunikationsprozesse im Wald Nicht so gut funktionieren, wenn das kein intaktes Ökosystem ist oder wenn keine Durchmischung von verschiedenen Arten vorhanden ist.

00:06:19: Bäume, Blumen, Gräser oder Sträucher – sie alle kommunizieren miteinander aber diese Kommunikation ist nicht vergleichbar mit der des Menschen.

00:06:29: Also da passiert in den Medien auch eine ziemliche Vermenschlichung von Pflanzen.

00:06:34: fast scheint es so als würden wir Pflanzen nur dann faszinierend finden, wenn sie irgendwie so sind wie wir.

00:06:42: Sie tuscheln miteinander, sie haben Angst, sie schreien um Hilfe, hört man und so weiter.

00:06:47: Aber so können wir uns die Pflanze nicht vorstellen!

00:06:51: Nach jetzt schon neunzehn Jahren Erfahrung in der Biologie und mit der Biologie kann ich sagen dass Pflanzen eine vollkommen andere Lebensform sind als der Mensch.

00:07:03: Und die Kommunikation der Pflanzen untereinander bedeutet auch nicht, dass da ein Erleben stattfindet.

00:07:11: Also es bedeutet nicht, das der Baum erlebt wie er der Penel abgibt und unter Anführungszeichen kommuniziert.

00:07:19: Das bedeutet nicht ,dass da ein Bewusstsein wie bei Menschen und Tieren vorhanden ist.

00:07:25: Wir müssen uns das wie gesagt, ein organisches Kommunizieren vorstellen.

00:07:29: Auch unser Darm kommuniziert mit dem Magen und über das Nervensystem mit dem Gehirn und vielen anderen Organen.

00:07:36: Trotzdem würden wir nicht sagen, dass unser Darm erlebt, wie er verdaut oder wie er das tut was er eben als Darm tun soll.

00:07:46: Das sind Regelkreise der Natur die da wirken Und die wirken eben auch in der Pflanze, im Ökosystem Wald zum Beispiel.

00:07:55: So können wir uns den Wald durchaus als einen einzigen großen ausgedehnten Organismus vorstellen und die Bäume pflanzen so ein bisschen wie die Organe dieses Waldes, die miteinander kommunizieren auf biologische Weise und in Verbindung stehen.

00:08:19: In diesem Organismus Wald wird nicht nur Verschädlingen gewarnt, mittels der Terpene etwa.

00:08:24: Die Botenstoffe der Pflanzen haben auch noch andere Funktionen.

00:08:29: Es geht nicht immer nur um die gegenseitige Unterstützung.

00:08:32: es gibt zum Beispiel ein Phänomen das nennt man Allelopathie – die Vergiftung des Andersartigen.

00:08:39: und durch diese Allelopathie töten Pflanzen, Bäume, Konkurrenzgewächse ab Das heißt solche Bäume oder Pflanzen, die sie nicht in ihrem Terror dulden weil sie in Konkurrenz miteinander stehen.

00:08:54: Die werden vergiftet und da werden auch Terpene abgegeben, die dann eben nicht zum Nutzen anderer Pflanzen sind sondern zum Schaden anderer Pflanzen.

00:09:04: Da unterscheidet Der Baum, die Pflanze sehr genau zwischen Freund und Feind.

00:09:09: Andere Gewächse, die in Symbiose mit dieser Pflanzen stehen, werden sozusagen verschont und nur die, die eben in einer Konkurrenz stehen, wären vergiftet.

00:09:20: Und dieses Phänomen der Allelopathie wird natürlich in diesem momentanen rosa-rote Brillehype auf die Natur ganz gern vergessen.

00:09:29: Der Wald ist nämlich nicht nur ein Sozialamt, wie es auch jetzt immer wieder heißt in den Medien sondern da ist auch ein knallhater Überlebenskampf im Gange.

00:09:42: Auch wir sind mit.

00:09:43: unter Eindringlinge in die Natur Erkennt uns der Wald wenn wir zusammen Füßen spazieren gehen und warnt die Baumkollegen gar vor uns.

00:09:52: Also in meiner ganzen Laufbahn als Biologe ist mir noch keine Studie untergekommen, die zeigt das Pflanzen oder Bäume sich gegenseitig warnen weil ein Mensch den Wald betritt.

00:10:06: Sie sprechen auf Schädlinge an und dann kommt auch diese biologische Kommunikation in Gang und sie schützen sich gegen den Schädlingen.

00:10:15: aber bei Menschen gibt es eigentlich keine Reaktion wenn der den Wald bedritt.

00:10:20: Und das ist insofern natürlich auch spannend, weil der Mensch ja eigentlich streng genommen der größte Schädling an der Pflanzenwelt ist.

00:10:30: Wir brauchen uns ja nur unseren Umgang mit den Ökosystemen anschauen, unsere Art wie wir mit den Ressourcen des Planeten umgehen und auch den Regenwald abholzen

00:10:41: usw.,

00:10:41: gibt es ja genug Beispiele.

00:10:43: Nur die Pflanze oder die Pflanzenwelt erkennt uns nicht als Schädling.

00:10:48: Da ist mir überhaupt kein Beleg dafür bekannt, dass sie sich in irgendeiner Form gegen uns

00:10:53: wehren.".

00:10:59: Immer wieder wird auch davon berichtet das Pflanzen etwas spüren wenn sie berührt werden.

00:11:04: Clemens Ahrweil

00:11:06: Ich bin bei allen Experimenten sehr skeptisch wo Ausschläge von elektrofysiologischen Messgeräten angeblich belegen sollen, dass Pflanzen was spülen also bewusst wahrnehmen.

00:11:18: Pflanzen reagieren auf Licht, indem sie dann dort hinwachsen.

00:11:24: Sie reagieren auf chemische Substanzen im Erdboden auch auf Wasser in dem dann ihre Wurzeln dorthin wachsen.

00:11:31: Früchte von Pflanzen, also samenhaltige Gebilde können sich über den Waldboden bewegen.

00:11:38: Aber sie nutzen ganz einfache physikalische Mechanismen zum Beispiel durch Quellung und Trocknung das dann sich etwas ausdehnt und wieder zusammenzieht.

00:11:47: Da ist kein sozusagen Homunculus drinnen der das erlebt und sich bewusst über den Waldboden bewegt.

00:11:54: ich glaube nicht, dass Pflanzen es erleben wenn wir sie berühren.

00:11:59: Ich glaube nicht das Pflanzen in die Sonne schauen und sagen ah!

00:12:02: Die Sonne ist so schön da wach sich jetzt entgegen.

00:12:05: Sie sind verbunden mit der Atmosphäre und sie sind ein bisschen wie die Organe der Erde.

00:12:12: Der

00:12:12: Biologe plädiert dafür Pflanzen zu akzeptieren wie sie sind.

00:12:17: Mir ist es auch wichtig Unterschiede zu wahren, also es ist ganz wichtig unsere Ökosysteme zu schützen.

00:12:24: Es ist ganz richtig die Welt der Pflanzen zu schützen ja da bin ich Feuer und Flamme dafür.

00:12:29: aber es ist auch wichtig noch einmal einen Unterschied zu machen zwischen einem Tier und einer Pflanze weil ein Hund, ein Rind, ein Schwein usw.

00:12:39: viel leidensfähiger als eine pflanze Bewusstseinsfähiger, erlebnisfähiger und leidensfähiger.

00:12:47: Und daher auch einen ethisch höheren Stellenwert als Individuum hat!

00:12:52: Pflanzen zu sehr vertierlicht oder vermenschlicht, dann bringt man da sozusagen ein ethisches Problem hinein.

00:13:00: Weil dann wäre plötzlich das Ernten einer Tomate gleich bedeutend mit dem Durchschneiden der Kehle einer Kuh zum Beispiel.

00:13:08: Das ist es aber definitiv nicht Zumal die Tomate von der Pflanze ja auch dafür produziert wird geerntet und gegessen zu werden weil die Pflanzen möchte Ja dass sie Samen sich in der Welt verbreiten.

00:13:25: Die Natur kennt also Kommunikation im Sinne von Kooperation genauso gut wie Konkurrenz.

00:13:30: Sie hat ihre eigenen Methoden, um andere Pflanzen in der Umgebung beim Wachstum zu unterstützen oder eben nicht.

00:13:37: Gibt es eigentlich je nach Region eine unterschiedliche Pflanzenkommunikation?

00:13:42: Ähnlich zu Dialekten kann eine Sonnenblume aus Frankreich die Botenstoffe ihrer Kollegen aus den USA entschlüsseln.

00:13:52: Natürlich ist es so, dass Pflanzen in verschiedenen Lebensräumen, in verschiedenen Zonobiomen sagt man auch.

00:13:59: Also global unterschiedlichen Vegetationszonen unterschiedliche Terpene benutzen, oft um miteinander zu kommunizieren.

00:14:08: Aber die Mechanismen sind immer dieselben.

00:14:10: Es sind einerseits diese informationstragenden Moleküle, die zur Kommunikation benutzt werden eben die Terpener aber andererseits auch elektrophysiologische Signale, die über die Wurzeln abgegeben werden im Erdboden Auch Knackgeräusche wo die Biologie gerade erst dabei ist zu entschlüsseln wie sie funktionieren.

00:14:31: Also es geht sehr stark um den Austausch von einer Art physikalischer Sprache und chemikalischer.

00:14:40: Und das ist überall auf der ganzen Welt bei den Pflanzen so, regional mag es gewisse Unterschiede geben aber trotzdem wie gesagt die Sprache der Pflanzen geht bis in die Kohlewälder zurück.

00:14:52: Trotzdem sind sie immer wieder im Wesentlichen auch dieselben Substanzen die wir finden im Wald.

00:14:58: Und deswegen ist es auch so, dass ich als Biologe der sich mit der Gesundheitswirkung des Waldes befasst.

00:15:05: Auch sehr froh darüber bin das die Terpene aus der Pflanzenkommunikation, die besonders gesund für uns sind wenn wir sie einatmen eigentlich global sind.

00:15:16: Trotz gewisser Unterschiede der einzelnen Vegetationszonen gibt's eine große Gruppe von Terpenern, die wir überall auf der Welt in Wäldern zum Beispiel

00:15:26: finden.

00:15:34: Genau das ist es auch, was den Biologen besonders an der Pflanzenwelt fasziniert.

00:15:38: Wie wirkt sich der Wald auf uns Menschen aus?

00:15:42: Das ist eben der Punkt wo die Waldmedizin ansetzt mein persönlicher Arbeitsschwerpunkt.

00:15:49: Wir wissen, dass wenn wir in den Wald gehen und bestimmte Terpene einatmen unsere Immunfunktion signifikant gestärkt wird, unterstützt wird.

00:15:58: Zum Beispiel unseren natürlichen Killerzellen werden signifikante aktiver und auch mehr Und drei Proteine, die nennt man Granulisin, Granzüme und Perforin.

00:16:12: Das sind drei Immunproteine, unsere Immunsysteme im täglichen Kampf gegen Eindringlinge braucht aber auch zur Abwehr von Krebserkrankungen.

00:16:22: Deswegen werden diese Proteine

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