Perspektiven: Das letzte Weiß.
Show notes
Moritz Nachtschatt ist zweieinhalb, als er das erste Mal auf Skiern steht und den Hügel hinunterdüst. Schneeburgen bauen, Schlitten fahren oder eben Skifahren, all das war für ihn in seiner Kindheit selbstverständlich. Heute ist er selbst Vater von zwei Kindern. Und erlebt mit ihnen eines: Weiße Winter sind zu etwas Seltenem, etwas Besonderem geworden. Ein Verlust, den Moritz Nachtschatt nicht einfach hinnehmen möchte. Sind die Berge für ihn doch auch seine Kraftquelle. Und Fotomotiv: Als Fotograf lichtet er immer wieder Landschaften im Schnee ab.
Seine erste Einzelausstellung dazu führt ihn zum Verein POW - Protect Our Winters. "Ich wollte den Bergen, der Natur etwas zurückgeben", erzählt der Fotograf. So spendete er den gesamten Gewinn der Ausstellung an den Klimaschutzverein. Es war der Beginn seines Engagements für POW. Heute ist er Geschäftsführer von POW Austria.
Der gemeinnützige Verein setzt sich dafür ein, unsere Bergwelt zu schützen. Und kooperiert bei seinen Aktionen immer wieder mit unerwarteten Partnern, wie der Kirche. So etwa beim Gletscherbegräbnis für die Pasterze am Großglockner.
Eine Sendung von Gerlinde Petric-Wallner.
Show transcript
00:00:02: Winter war auf jeden Fall immer Skifahren, Rodeln, Schneeballschlacht, Schneemannbaum.
00:00:10: Und es war keine Frage gibt's Schnee oder nicht sondern das machen wir.
00:00:21: Wenn ich jetzt in den letzten Jahren im Dezember in der Vorweihnachtszeit in Innsbruck mal war dann war das Skifahrndort eigentlich
00:00:30: nie möglich.
00:00:34: Da hätte man schon auf dem Gatscher fahren müssen um in den vergangenen Jahren dort Skifahnen zu können.
00:00:39: Erinnert sich Moritz Nachtschatt.
00:00:43: Unsere Gletscher schrumpfen, ein kalt und schneerreicher Winter so wie wir ihn heuer doch noch erlebt haben wird zur Ausnahme zu etwas besonderem.
00:00:52: Vielorts kennt man das Weiß des Winters nur nach aus Kindheitserinnerungen.
00:00:57: Moritz Nachchatt will sich damit nicht begnügen.
00:01:00: Seit fast einem Jahrzehnt setzt er sich dafür ein dass wir die Winterwelt die Bergwelt schützen.
00:01:14: Es ist eine Welt, die er tatsächlich noch gut aus seiner Kindheit kennt.
00:01:18: und das obwohl Moritz Nachzart in der Stadt aufgewachsen ist.
00:01:22: Woran erinnert er sich wenn er an sein aller erstes Erlebnis im Schnee denkt?
00:01:31: Mein allererstes Erleben ist im Schneee!
00:01:35: Ich kann mich an ein paar Ereignisse erinnern, die haben lustigerweise nicht mit Ski fahren zu tun sondern sie sind also.
00:01:41: ich bin in Wien aufgewachsen.
00:01:44: Eines war, ich bin irgendwie, glaub mit meinem Vater oder meiner Mutter bei der Straßenbahnstation Hitzing gestanden und aus der Ferne ist so eine weiße Wolke auf uns zugekommen.
00:01:58: Und ich habe mir gedacht was ist denn das?
00:02:00: Also es ist zu dem Zeitpunkt kein Schneegelegen.
00:02:02: Dann war es richtig so eine Art blizzert-Schnesturm also ungefährlich mir jetzt eine Riesenfreude bereitet.
00:02:11: Genau, das war auf jeden Fall eine meiner frühesten Erinnerungen glaube ich.
00:02:14: Wobei ich überhaupt nicht einschätzen kann wie alt dich da war.
00:02:18: Eine andere war, wo ich aufgewachsen bin im dreizehn Bezirk in Wien hatten wir so einen kleinen Garten und da haben wir uns dann so ein Schnee vorgebaut oder so eine kleine Schneeburg Und haben dann alle vorbei kommen Leute mit Schneebälen abgeschossen.
00:02:34: Wobeit?
00:02:34: da werde ich wahrscheinlich schon sicher sieben sechs sieben Jahre alt gewesen sein.
00:02:39: Immer wieder war Moritz Nachtschatt als Kind auch in Innsbruck, denn seine Mutter kommt von dort.
00:02:51: Der
00:03:08: Winter war für ihn auf jeden Fall immer eines.
00:03:10: Weiß!
00:03:11: Wir sind jetzt nie irgendwie weit weggefahren, sondern halt eben immer wieder zu den Verwandten nach Innsbruck oder manchmal auch nach Kärnten und also auch dort zu freunden.
00:03:23: Und genau das war eigentlich Skifahren war schon auf jeden fall ein Fixpunkt in den Weihnachtsferien und dann meistens auch in den Semesterferien.
00:03:33: Vor allem dass Tiefschnee fahren hat es ihm angetan.
00:03:36: Das ist dann schon das Allergrößte, also das schönste Gefühl durch den Tiefschnee.
00:03:44: Wenn es dann auch noch kalt genug ist und der Schnee nur noch so staubt ... Ich gehe zwar gerne wandern aber dass Tiefschnähe fahren, powdern, das ist schon wirklich so mitunter das absolute Freiheitsgefühl.
00:04:08: An einem Tief-Schnitttag erinnert sich Moritz Nachzart besonders gern
00:04:15: Eben auch in Innsbruck, auf der Seegrube oben.
00:04:18: Das ist das Skigebiet direkt oberhalb von Innsbrück die Nordkette und es hat eben drei Tage durchgeschneit.
00:04:25: wir sind jeden Tag ich glaube um sechs aufgestanden oder so haben angerufen.
00:04:30: sie haben uns jeden tag gesagt na es ist leider gesperrt es wird noch gesprengt dritten oder vierten Tag, was plötzlich wolkenlos ist und gesagt ja es ist offen wir waren mit der ersten Gondel oben.
00:04:40: Es wurde nichts geräumt das bei jeder Piste ist der Radtrag nur eine Spur durchgefahren.
00:04:45: das heißt es war überall ich weiß nicht.
00:04:48: also es war so viel Schnee dass man meister so hüftief durch gefahren und das bis ganz runter in die Stadt.
00:04:57: Wir haben dann irgendwie auch den ganzen tag.
00:04:59: es gibt unten Lavinenkegel.
00:05:00: wenn's Ja, würde ich vielleicht meinen Kindern nicht gerade empfehlen.
00:05:04: Wir haben uns dann dort eben jedenfalls die Schanzen gebaut und sind dann da reingesprungen und das bislang nach Liftschluss und sind in der Dämmerung mit den Stirnlampten erst wieder runtergefahren und haben also so den ganzen Tag draußen verbracht.
00:05:22: So in diese Richtung haben wir es zu öfter gemacht aber so extrem!
00:05:25: Das war wirklich dieser eine Tage und den werde ich mich mit Leben lang erinnern
00:05:28: können.".
00:05:38: Heute ist Schnee hierzulande und darüber hinaus nicht mehr so verfügbar wie früher.
00:05:43: Laut dem Climate Change Center Ostwehr hat der Schnee in den vergangenen sechszig Jahren in tiefem Lagen um über fünfzig Prozent abgenommen.
00:05:51: Noch in den siebzigerjahren konnten die Touristen und Touristinnen in den Alpen bis zu vierunddreißig Tage länger Skifahren als heute.
00:05:59: Wann hat Moritz Nachtstadt erstmals bewusst bemerkt, dass sich hier etwas zu ändern beginnt?
00:06:10: Ja das ist eine gute Frage!
00:06:13: Wirklich einen bewussten Punkt nicht, aber schon irgendwie eine Zeit Spanne.
00:06:17: Also spätestens wie ich dann Student war, war das Skifahren natürlich nicht mehr wirklich so einfach leistbar.
00:06:23: Das heißt da musste man immer abwägen ein Monat billig essen oder Skifahrern oder je nachdem wie mich halt eben die Eltern unterstützt haben.
00:06:32: Aber also so nach dem ich zwanzig war war ich definitiv auch als Kostengründen weniger Skifahnen und später wo ich es mir dann eben schon eher wieder leisten hätte können, da war dann merklich weniger Schnee.
00:07:00: Ich bin wahnsinnig gerne in den Bergen.
00:07:02: das ist auch bis heute das was mir einfach so dann irgendwie Kraft gibt auch irgendwie dann so für die Zeit im Wien.
00:07:12: Vor allem im Winter ist es immer schwieriger.
00:07:14: also ich habe zwei Kinder und also zwei Jahre und fünf Jahre.
00:07:21: Zum Einen ist die Leistbarkeit nochmal eine ganz andere Frage, weil der Ski-Urlaub als Familie es natürlich noch einmal um ein vielfaches teurer.
00:07:30: Als wenn man das Einzelperson unterwegs ist.
00:07:34: und auf der anderen Seite kommen natürlich auch noch ganz viele andere Faktoren dazu.
00:07:39: Das heißt, wenn ich jetzt ja wenn ich auf die letzten fünf Jahre zurückschaue dann bin ich vielleicht auf durchschnittlich drei Skitage gekommen Pro Jahr.
00:07:50: Die freuen mich dann zwar natürlich umso mehr, aber es tut irgendwo schon auch weh.
00:07:56: Ich versuche dafür im Sommer häufig in den Bergen zu
00:07:58: sein.".
00:07:59: Aber auch die Situation in den bergen im Sommer hat sich durch die Klimakrise verändert?
00:08:03: «Die Klimakriise ist ja leider nicht nur im Wintersichtbar.
00:08:07: Vielleicht sogar, ich finde eigentlich verstärkt im Sommer weil die Temperaturen einfach wirklich... Absurd und schon gefährlich sind.
00:08:17: Ich habe da in Osterol auch mit den Bauern geredet, die sagen also es ist für die Tiere wirklich gefährlich weil sie einfach aufgrund der Hitze zum Teil immer höher rauf gehen wollen, müssen.
00:08:29: Dort gibt es dann aber weniger Wasser.
00:08:31: Das heißt das ist wirklich ein Problem, das war vor allem im Sommer vor zwei oder drei Jahren, weil das ein riesengroßes Problem dabei besonders
00:08:38: heiß.".
00:08:39: Moritz Nachzert erinnert sich an ein frisch geborenes Lamm, dass sein Sohn einmal beim Wandern in den Bergen gesehen hat.
00:08:46: Das war wirklich sehr dramatisch, also da habe ich vor zwei oder drei Jahren gesehen wie ein frisch gebrochenes Lamm mehr oder weniger verdurstet ist.
00:08:56: Weil die Wasserquellen oben auf zwei vier zwei fünf einfach nicht mehr da waren.
00:09:04: Also die restliche Herde war eben oben und die älteren Tiere konnten sich das natürlich einteilen.
00:09:09: aber das Junge das war vielleicht was Ein paar Tage alt war jetzt noch nicht ganz so fit, dass irgendwie ein paar Hundert Höhenmeter hätte rauf- und runterlaufen können.
00:09:20: Das wäre aber notwendig gewesen für die nächste Wasserquelle – das war schon ein sehr dramatischer
00:09:25: Anblick.".
00:09:25: Gefährlich ist's die Bergwald auch, weil das Gestein mitunter immer brüchiger wird!
00:09:30: Durch die Klimakrise treten im Hochgebirge immer öfter Steinschläge und Felsstürze auf.
00:09:35: Das zeigt eine Untersuchung der Universität für Bodenkultur Wien.
00:09:39: Bei der Entstehung und Ursache solcher Sachen bin ich definitiv kein Experte.
00:09:45: Aber ja, der Permafrost schmilzt.
00:09:48: Das bedeutet eben das Eis im Inneren der Berge, dass er eigentlich sehr gut isoliert ist Und wie eine Art Klebstoff funktioniert, der die Berge zusammenhält, der löst sich auf wegen der großen Hitze.
00:10:02: Also wenn man eben im Sommer über mehrere Tage hinweg so eine extreme Hitze hat dann geht es bis in den bis in den Kern des Berges hinein, wärmt ihn dort eben auf.
00:10:15: Und da gibt es auch in der Zugspitze die größte Forschungsstation für Permafrost Europas und das ist sehr spannend aber auch sehr schockierend.
00:10:27: Wir haben vor allem in der Schweiz in den letzten Jahren gesehen was für Unglücken das geführt hat also wo es wirklich dann Bergstürze gibt die ganze Dörfer im Tal unter sich begraben.
00:10:37: Also für die Freizeit ist das natürlich auch relevant, weil einfach ganz viele Bergsteige zu gefährlich sind oder nicht mehr zugänglich.
00:10:45: Und das Schlimmste ist, dass es ein bisschen ein Teufelskreis ist – also die Gletscher schmelzen.
00:10:51: dadurch kommt der Stein zum Vorschein,
00:10:53: d.h.,
00:10:53: die Sonne wird nicht mehr reflektiert.
00:10:56: Der Stein nimmt die Hitze natürlich stärker auf, speichert die Hitzer auch eher und dadurch schmilzt der Permafrost dann noch schneller und so dreht sich das dann immer weiter im Kreis.
00:11:35: Im Jahr ist der Verein Protektor Wintersunter.
00:11:41: Ein Verein, der sich eines zu seiner Aufgabe gemacht hat – die Bergwelt zu schützen!
00:11:48: Ich habe in einem Magazin davon gelesen oder im Internet.
00:11:52: Vielleicht habe ich auch einfach nur einen Sticker gesehen, jedenfalls war ich damals noch hauptberuflich Fotograf und bin gerade im Zug gesessen am Weg auf den ... Tyrol oder auf den Arlberg sogar und habe damit gespielt mit der Idee meine erste Einzelausstellung zu machen.
00:12:09: Und die Idee war damals schon, ich möchte der Natur irgendwie was zurückgeben dafür dass sich eben die selbst so meine Kraft aus dem Bergen entziehen, möchte auch mich quasi revanchieren.
00:12:22: Zufälligerweise habe ich eben ein, zwei Wochen davor Protector Winters kennengelernt.
00:12:27: Da wusste ich schon – Ich möchte eine Ausstellung über minimalistische Landschaftsfotografie im Schnee machen und das hat irgendwie halt einfach perfekt zusammengepasst und hab beschlossen den gesamten Gewinn am Protector Winter zu spenden was ich dann auch gemacht habe und hab dann immer wieder mal Fotos zur Verfügung gestellt und Grafiken gebastelt.
00:12:49: Auch inhaltlich bringt sich Moritz Nachzert immer stärker ein.
00:12:52: Irgendwann, nach einem halben Jahr – also die Ausstellung war es im Jahr letzten, und dann irgendwann hat mich der damalige Vizepräsident gefragt ob ich nicht seine Rolle übernehmen möchte weil er eigentlich eh nur aus der Not heraus diesen Posten übernommen hat und eigentlich keine Zeit dafür hatte.
00:13:09: Und ich habe mir das vierundzwanzig Stunden lang überlegt und dann sehr dankend angenommen.
00:13:15: Und dann hat sich viel geändert und im Jahr ist es in den ganzen Vereinen übernommen, umstrukturiert.
00:13:22: Jetzt sind wir hier seit dem Jahr im Jahr zum Jahr zweieinhalb.
00:13:26: Der Ursprung des Vereins liegt in den USA, gegründet vom Profisnowboarder Jeremy Jones.
00:13:33: Acht Jahre später gründete die damalige Snowboarderin Dani Hochmuth die Österreich-Stelle von Protect Our Winters.
00:13:41: Wofür steht der Verein konkret?
00:13:43: Protektaur Winters ist ein Klimaschutzverein, eine gemeinnützige NGO und wir versuchen der Bergsportgemeinschaft eine Stimme im Kampf gegen die Klimakrise zu geben.
00:13:57: Wir heißen zwar Protektor Winters aber beziehen uns schon auf Bergsport aus dem ganzen Jahr also Sommersportarten vom Trailaufen zum Bergsteigen, zum Paragleiten über Skifahren und Snowboarden.
00:14:09: langlaufen gehört da irgendwie alles dazu.
00:14:12: Und wir haben ursprünglich begonnen eher so regional mit Aufräumen aus Müllsammelaktionen und vielleicht Filmabende wo man ein bisschen Bewusstseinschaft in der Community haben das aber in den letzten Jahren sehr stark ausgeweitet und sind im Diskurs mit allen Parteien.
00:14:32: Wir sind auf jeden Fall komplett unparteiisch und unabhängig, unterhalten uns also auch mit allen im Parlament vertretenen Parteien und setzen uns einfach überparteilich für ambitionierten Klimaschutz ein...
00:14:46: So das Motto des Vereins.
00:14:47: Was
00:14:47: wir für uns übersetzt haben als Fortschritt statt Perfektion, Wir zeigen auch nicht mit dem Finger auf andere Leute weil niemand ist perfekt, wir sind es nicht, andere Organisationen sind's nicht und Politikerinnen sind's eben auch nicht Und auch Firmen sind sie nicht.
00:15:03: und das heißt wenn jemand am Land wohnt muss er sein Auto verwenden.
00:15:06: Wenn jemand gerne Fleisch isst dann soll er natürlich auch gerne Fleisch essen Auch wenns natürlich besser wäre wenn ein bisschen weniger oft wäre.
00:15:13: aber man kann und soll einfach tun, was einem möglich ist.
00:15:17: Man sollte sich da jetzt nicht zu sehr irgendwie ausrundend komplett locker angehen aber man soll eben das nehmen und das machen wo man seine eigenen Stärken hat und es ist ganz oft drin seine Stimme zu nutzen.
00:15:31: Das heißt also wählen zu gehen mit anderen darüber zu sprechen die mit denen wir viel zusammenarbeiten, also Firmen, professionelle Athleten oder Athletinnen.
00:15:40: Die eben eine größere Reichweite haben, die sollen dann diese Reichweiten nutzen um eben Bewusstsein zu schaffen.
00:15:47: Gerade das ist bei Spitzensportlern und Sportlerinnen nicht immer einfach.
00:15:51: Kommen sie doch mitunter in einen Konflikt wenn es um Umwelt- und Klimaschutz geht?
00:15:56: Wenn professionelle Atletinnen zum Beispiel im Skiweltcup beruflich um die Welt fliegen aber sich für Klimaschutzeinsätzen ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit, dass sie von irgendwelchen anderen Aktivistinnen und Aktivisten vorgeworfen bekommen, dass die scheinheilig wären.
00:16:17: Und ich versteh das, dass man das jemandem vorwerfen möchte aber das ist dann finde ich doch ein bisschen zu kurzsichtig.
00:16:24: weil natürlich kann man beruflich um die Welt fliegen und sich trotzdem für ambitionierten Klimaschutz einsetzen.
00:16:30: Das find ich ganz wichtig, dass wir das auch verstehen und akzeptieren Das bringt unsere Zugangsweise, finde ich auch eigentlich ganz gut auf den Punkt.
00:16:39: Dennoch hat der Verein auch schon so manchen Widerspruch in der Profisportwelt aufgedeckt.
00:16:44: Eines unserer vergangenen Projekte war ja die Kampagne gegen die FIS, also der Internationale Ski-Verband und da haben wir vor drei Jahren erstmals begonnen oder vor zweieinhalb Jahren mit einem offenen Brief von Athletinnen für eben zum einen transparentere, aber auch nachhaltigere Maßnahmen innerhalb des Schieferbands.
00:17:06: Weil das Problem damals war dass sich der Schiefferband selbst als klimapositiv dargestellt hat also dass sie nicht nur keine Emissionen erzeugt sondern dass sie sogar mehr machen als die Verursachen im Sinne von gutes machen und das betrifft in ihrem Fall vor allem die Kompensation mit Regenwaldprojekten was wir dann eben überprüfen haben lassen und da waren nicht sehr viel dran.
00:17:34: Und von Transparenz war so und so keine Spur, auch sonst keine nachhaltige Managerin, keine Reduktionspläne und
00:17:43: nichts.".
00:17:43: Das hat sich mittlerweile durch den Druck des Vereins Protect Our Winters verändert.
00:17:50: Gibt es eine Nachhaltigkeitsbeauftragte innerhalb der Ski-Verband?
00:17:54: Sie haben, ich glaube kürzlich ihre dritte Bilanz veröffentlicht.
00:17:58: Die mittlerweile schon sehr viel glaubwürdiger ist als die erste.
00:18:03: Sie behaupten nicht mehr klimapositiv zu sein sondern haben den Plan bis zum Jahr zwanzig vierzig klimaneutral zu sein und insofern ist das eben ein großer Sieg eigentlich.
00:18:14: wir sind jetzt auch nachdem zwei Kampagnen ein bisschen gegen sie, aber irgendwo dann auch wieder für sie gegeben hat.
00:18:22: Sind wir jetzt in sehr engem Austausch mit ihnen?
00:18:24: Sehr konstruktiv!
00:18:26: Natürlich kritisieren wir nach wie vor, aber die Unterhaltungen sind sehr konstruktif.
00:18:30: Das letzte Treffen war tatsächlich im Anfang Jänner und ja... Wir sind da eigentlich durchaus zuversichtlich dass die FIS zu einem Vorbild was Klimaschutzmaßnahmen betrifft werden könnte.
00:18:57: In wenigen Tagen am sechsten Februar starten die olympischen Winterspiele zum fünfundzwanzigsten Mal.
00:19:03: Auch hier hat der Verein Protekt auch Winters einiges zu kritisieren, wenn es um Klimaschutz geht.
00:19:13: Das ist ein bisschen schwieriger weil es eine Veranstaltung ist die nur alle vier Jahre stattfindet.
00:19:17: also vor allem für uns relevant sind natürlich die Winterspiele weil die Sommerspiele mit den Bergen jetzt nicht so viel zu tun haben also insofern da tatsächlich nur die Winnerspiele.
00:19:28: Die sind ja auch leider sehr weit weg davon nachhaltig zu sein, bzw.
00:19:34: hängt sich sehr stark vom Austragungsort ab.
00:19:37: Jetzt bei den kommenden Spielen in Milan und Cortina ist wahnsinnig viel schief gelaufen.
00:19:43: Das wahrscheinlich schlimmste Beispiel ist die Bob-Bahn.
00:19:47: noch von dem Olympischen Spiel in Turin Ist bis heute nicht abbezahlt Und die ganze Region ist deswegen verschuldet wurde seit den Spielen noch nicht mehr verwendet und trotzdem haben sie jetzt eine neue gebaut für die neuen Olympischen Spiele.
00:20:00: Da ist es ganz schwer auch für uns was zu machen, weil die Olympische Spiele sind einfach ein sehr positives Event, das sehr positiv wahrgenommen wird.
00:20:09: Wir wollen ja auch die Athletinnen nicht stören, denn für viele ist das das Highlight ihres Lebens – und zurecht!
00:20:16: Das sind wahnsinnige Leistungen, die dort geboten werden.
00:20:20: aber trotzdem müsste es als IOC möglich sein, den Veranstaltungsorten gewisse nachhaltige Rahmenbedingungen abzuverlangen.
00:20:32: Dass es zum Beispiel ein Mobilitätskonzept gibt das nicht nur während den Olympischen Spielen genutzt wird sondern von dem die regionale Bevölkerung auch danach noch was hat dass auch die Austragungsstätten auch nachträglich noch genutst werden können sei das jetzt Irgendwie die Bobbahn oder irgendwelche Eishallen, oder sonst was.
00:20:51: Es muss ja auch nicht das Eishalle wieder genutzt werden.
00:20:53: Man kann sie dann auch einfach als Indoor-Tennisplätze oder sonst etwas
00:20:57: nutzen.".
00:21:06: Für ihre Aktionen kooperiert der Verein Protect Our Winters immer wieder bewusst mit ungewöhnlichen Partnern und Partnerinnen – zum Beispiel der Kirche!
00:21:15: Konkret um etwa gemeinsam auf eines aufmerksam zu machen….
00:21:19: schmelzende Kletcher.
00:21:20: Wir versuchen bei vielen unserer Projekte so ein bisschen diese diese unlikely allies zu finden, also so ungewohnte Verbündete.
00:21:29: Das heißt man ist jetzt nicht wirklich gewohnt das Klimaschutzorganisationen mit der Kirche zusammenarbeiten oder auch vielleicht auch nicht mit Brauereien oder sonstigen.
00:21:40: Das heisst, im Jahr zwanzig dreiundzwanzig haben wir ein Gletscherbegräbnis organisiert auf der Pasterze.
00:21:45: Das war eben in Zusammenarbeit mit der katholischen und evangelischen Kirche veranstaltet.
00:21:55: Das war auch nicht, da haben wir uns in keinster Weise drüber lustig gemacht.
00:21:59: Es war es auch wichtig dass die Kirche dabei ist, dass das eben nicht als Spaß wahrgenommen wird sondern dass sehr wohl auch ernst genommen wird.
00:22:06: Es gab einen Sargos Eis und Musik sind dann wirklich auf der Posterze oben von der Warte runtergegangen den Steig bis auf die Aussichtsplattform wo noch die ganzen Besucher hinkommen Und das hat schon für sehr, sehr viel Aufsehen gesorgt.
00:22:24: Wir waren glaube ich doch in so ziemlich jeder österreichweiten Zeitung entweder am Titelblatt oder sonst irgendwo prominent vertreten und haben so eine Reichweite von geschätzt zehn Millionen
00:22:35: gehabt.".
00:22:36: Immer wieder versucht der Verein auch politische oder wirtschaftliche Entscheidungsträger mit in die Diskussion rund um Umwelt- und Klimaschutz zu bekommen – etwa bei einer Aktion im Jahr der EU-Wahl und Nationalratswahl in Österreich,
00:22:50: Also während der EU-Wahl und der Nationalratswahl, haben wir dann einen Almauftrieb und einem Almabtrieb organisiert in Innsbruck.
00:22:58: Statt Kühen hatten wir Mountainbikes dabei die wir beim Almabtreib auch genauso geschmückt haben wie Kühe.
00:23:04: Beim Allemauftrieb war dann der Teil, wie wir oben angekommen sind.
00:23:08: Weil eben dieser Hauptteil war eine Diskussion in der Wirtschaft mit Beteiligung auch aus der Landwirtschaftskammer und Firmenvertreterinnen.
00:23:16: Und beim Weg runter also beim Allemabtrieb im September da haben wir die erste Podiumsdiskussion der Umweltsprecherinnen der Parteien organisiert.
00:23:26: Gerade wenn es um Umweltpolitik geht ist auch in Österreich in einigen Bereichen einen Zurück rodern zu bemerken.
00:23:32: So findet sich das Ziel, Österreich bis zu einem Jahrzehntag im Klimaneutral zu machen – nicht mehr im aktuellen Entwurf für das Klimagesetz.
00:23:40: Was sieht der Geschäftsführer von Protect Our Winters als einen der größten Hebel an um unsere Umwelt zu schützen?
00:23:46: Mit Abstandgrößte Hebel sind mit Sicherheit die klimaschädlichen Subventionen.
00:23:52: Das ist eigentlich schon von der letzten Regierung beschlossen worden, dass sie abgeschafft werden.
00:23:58: Bisher merkt man auch nichts davon.
00:24:01: Aber ganz klar, dass die nicht ersatzlos abgeschafft werden können.
00:24:06: Also natürlich ist es ganz klar das Leute am Land nicht den gleichen Zugang zur öffentlicher Mobilität haben wie Leute in einer Großstadt aber Sachen wie das Kerosin von Flugzeugen nicht besteuert wird.
00:24:20: Gut, dass wieder was wahrscheinlich europaweit angehen muss, aber auch das Dieselprivileg, die Mineralölsteuer schon seit Jahren oder... fast schon Jahrzehnte nicht mehr angepasst worden.
00:24:32: Es gibt ganz viele klimaschädliche Subventionen, die insgesamt ca.
00:24:39: fünf bis sechs Milliarden pro Jahr ausmachen.
00:24:42: Die könnten einen sehr großen Teil auch das Budgetdefizit wieder stopfen und gleichzeitig würden wir aber auch aus klimatischer Sicht wahnsinnig davon profitieren.
00:24:53: und vor allem darf man nicht vergessen, wenn wir die Klimaziele nicht erreichen dann haben wir nicht nur einen wirtschaftlichen Nachteil gegenüber anderen EU-Länder sondern vor allem kommen ja da noch Strafzahlungen auf uns zu.
00:25:04: Das heißt wir zahlen dann in Wirklichkeiten nicht nur einfach oder doppelt, sondern wir zahlen dann tatsächlich dreifach weil die Investitionen müssen wir früher später so und so tätig.
00:25:13: nur später kommt es uns halt um ein vielfaches Teur aus Wenn wir das gleich jetzt machen würden.
00:25:19: Ja... Da gibt's eigentlich auch keinen Kompromiss
00:25:22: Jeder Diskurs, jedes Gespräch mit einer Politiker, einer Politikerin könne etwas verändern.
00:25:27: Ist Moritz Nachtschatt überzeugt und er ermutigt ganz generell zu einem die eigene Stimme zu erheben.
00:25:35: Das ist was, was nicht nur Organisationen machen können sondern das können auch Privatpersonen machen.
00:25:39: Also man kann eigentlich fast jeden Politiker und jeder Politikerin in Österreich einfach eine E-Mail schreiben und auch wenn Antworten manchmal lange dauern ich trau mich zu sagen dass sie in den seltensten Fällen komplett ignoriert werden also das Ausmaß zählt und wenn viele Leute an irgendwelchen Schreiben, dann wird es auch ernst genommen.
00:25:59: Also so wie das Klima seine Kipppunkte hat haben Menschen auch ihre Kipppunkte und wenn genügend Menschen sich über etwas beschweren oder auch etwas loben ist ja auch in die andere Richtung möglich Dann wird das wahrgenommen und dann kann man eben Veränderungen bewirken.
00:26:36: Es war schon oft, dass ich irgendwie Experten in der ZIP II gehört habe und mir dann gedacht hab, irgendwie würde ich da jetzt gerne eine Frage stellen.
00:26:43: Und ohne die jemals gesehen getroffen zu haben oder sonst irgendeine Verbindung zu ihnen zu haben, habe ich mich dann schon mehrmals gedacht,
00:26:53: ja
00:26:54: probiere es doch einfach mal telefonisch und rufe sie an, ohne mir viel Hoffnung zu machen das ich da durchkomme Und ich bin in den meisten Fällen beim ersten Versuch durchgekommen und die Expertinnen sind am meisten auch wahnsinnig mit.
00:27:07: Und geben auch gerne Auskunft darüber, oft haben wir dann irgendwie zehn, fünfzehn manchmal sogar schon zwanzig Minuten telefoniert und uns drüber unterhalten.
00:27:17: Das sind natürlich wahnsinnige wertvolle Informationen weil eine ZIP-Zwei ist einfach begrenzt.
00:27:23: Die Interviews da an zehn Minuten bleiben oft Fragen offen Und ich will jetzt nicht dazu aufrufen, alle Expertinnen anzurufen.
00:27:30: Aber ich möchte ein bisschen diese Distanz nehmen.
00:27:35: Also man kann auch Politikerinnen und Expertinnen und sonst... Man kann alle Leute versuchen zu erreichen.
00:27:41: im schlimmsten Fall antworten sie halt nicht oder man kommt nicht durch.
00:27:45: aber im besten fall eben doch.
00:27:46: und in allerbestem fall werden die Bedenken oder auch das Lob gehört und führt dann eben langfristig zur Verbesserung.
00:28:03: Immer wieder kooperiert Protektor Winters auch mit den großen Alpinenvereinen in Österreich.
00:28:08: Was unterscheidet die Vereine grundsätzlich?
00:28:10: Es gibt einen gravierenden Unterschied und der ist, dass eben die traditionellen Alpinenfereine wie Alpenvereintouristenclub oder Naturfreunde politisch nicht wirklich aktiv sind – das sind wir schon!
00:28:23: Wir sind zwar parteineutral aber wir sind sehr politisch.
00:28:28: Das machen die anderen Organisationen Zumindest meistens nicht, es gibt ja natürlich Sektionen die dann irgendwie ausreißen.
00:28:36: Man denkt braucht nur an die Abstimmung zu den Windrädern letzten Sommer in kernten Denken.
00:28:44: das war natürlich sehr politisch aber das war eben eine absolute Ausnahme und wurde dann auch zurückgerudert.
00:28:49: Aber es gibt eben auch die Kooperation und wir versuchen doch verstärkt zusammenzuarbeiten weil wieder ganz viel Potenzial sehen.
00:28:56: Zum Beispiel ist vom Alpenverein erst im November oder Oktober ein neues e-Learning veröffentlicht worden, eben zum Thema Auswirkungen der Klimakrise auf den alpinen Raum und das passiert weitgehend auf unserem Workshop für Bergführerinnen.
00:29:14: Das sieht man natürlich auch online dass das in Kooperation entstanden ist.
00:29:17: wir haben auch einen Gletschermemory mit dem Alpenforein zusammen herausgebracht und mit dem Fotograf Jürgen Merz.
00:29:24: Zu
00:29:24: sehen sind es darauf Gletscherfotos, die die vergangenen zwei Jahre im Naturhistorischen Museum ausgestellt waren.
00:29:31: Alpengletscher im Wandel – historische Vergleichsfotose zu der Titel der Ausstellung Archivbildern von Gletschern werden darin neue Aufnahmen von Jürgen Merz gegenübergestellt.
00:29:42: Wer die Ausstellung im Museum verpasst hat kann auf das Gletsche-Memory von Protect Our Winters und dem Alpenverein zurückgreifen Memor Ice genannt.
00:29:57: So oft wie möglich versucht Moritz Nachtschatt in den Bergen zu verbringen, so oft es mit einer Familie und eben zwei kleinen Kindern möglich ist.
00:30:05: Dazu gehört etwa der jährliche Urlaub in Osthirol.
00:30:08: Für den Geschäftsführer von Protector Winter sind die Berge nicht nur ein Ort zum sich sportlich betätigen, zum Wandern oder Skifahren sondern einen Ort zum Kraft
00:30:17: tanken.
00:30:20: Gerade wenn man in der Großstadt aufgewachsen ist also in meinem Fall Wien dann ist das einfach.
00:30:26: Das ist einfach ein wahnsinniger Ausgleich und Unterschied.
00:30:30: Also wenn man senkt natürlich auch davon ab, wo man in den Bergen unterwegs ist aber gerade in Ostirol, wo wir sind das ist doch sehr ruhig also kein Auto weit und breit.
00:30:40: Wenn man da oben am Berg ist und man hört einfach nichts außer der Natur dem Wetter Einfach da direkt nur umgebung dann ist es einfach... ...das ist einfach eine Erlebnis Wahnsinnig schönes, aber auch wichtiges Kontrastprogramm zum sonstigen Leben in der Stadt.
00:31:03: Wenn Moritz Nachtschatt an seine zwei Kinder denkt – was wünscht er ihnen wenn es um die Zukunft unserer Winterwelten und Bergwelten geht?
00:31:21: Den Winter wie ich ihn über ein Kind hat erlebt habe den werden sie vermutlich nicht mehr erleben leider.
00:31:26: aber ich wünsche Ihnen und auch mir und unseres Familie dass wir die Natur noch möglichst lange so genießen können, wie ich es auch gewohnt bin und dass wir das Ruder noch irgendwie herumreißen.
00:31:43: Damit sie auch ohne Sorge selbst an Familienplanung denken können.
00:31:48: Ich muss gestehen, ich selber hab da durchaus schon... Für mich war das durchaus ein Faktor bei der Familienplanungen Und wenn's aber so weitergeht dann Könnte ich niemanden mit zehn, zwanzig Jahren mir raten Kinder zu haben.
00:32:02: Wenn es also so weitergeht ohne dass Maßnahmen getroffen werden und da hoffe ich natürlich und wünsche ihnen sehr das wir da dieses Ruder noch herum reißen und dass sie das alles die Natur, die Berge, das alles genauso genießen können wie auch ich in meiner Kindheit genossen habe.
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