Perspektiven über Etty Hillesum

Show transcript

00:00:00: In mir gibt es einen ganz tiefen Brunnen und daran ist Gott.

00:00:04: Manchmal ist er für mich erreichbar, aber oft ist Gott begraben dann muss er wieder ausgegraben werden.

00:00:09: Mein Heilmittel kenne ich jetzt!

00:00:11: Ich muss mich einfach in ein Winkel

00:00:13: zurückziehen.".

00:00:27: Für sie ist Etti im Laufe der Intensivmauseinandersetzung eine Art Freundin geworden.

00:00:33: Also ich glaube, dass die Etti nicht gemocht hätte wenn man es im Vorbild genannt hätte weil das hätte ihr widersprochen.

00:00:39: und ich glaube das was Sie eher als erstes gesagt haben Freunden ist eh das schönste Wort.

00:00:43: also Ich merke öfter in eigenen Lebenskrisen oder wenn Sachen schwer sind dann kommen wir manchmal.

00:00:48: Das ist eben der Vorteil für mich als Schauspielerin.

00:00:50: ich darf das einfach sehr oft sprechen Und dann bleiben diese Sachen natürlich auch tiefer Hängen und das ist natürlich dann schön, dass man dann einfach so setze hat die einen auch trösten.

00:01:02: Auf Ettie gestoßen ist sie über ihren Mann Johannes Neuhauser

00:01:06: Aber der hatte das Buch jahrelang auf seinem also so neben Bett liegen weil irgendein befreundeter Priester sagt es musst du unbedingt lesen.

00:01:13: ja Und wir sind beide Menschen ein bisschen auch trotzige menschen wenn jemand sagt das muss jetzt unbedingt.

00:01:20: Also es lag jedenfalls zwei Jahre.

00:01:22: Und dann hat das mein Mann gelesen und er das vor den Priester angerufen hatte, Adi ich muss mich entschuldigen!

00:01:26: Das ist wirklich ein Wahnsinn!

00:01:30: Ich war damals am Landestheater Linz engagiert.

00:01:33: Den damaligen Intendant einer Mennecken gefragt ob er da eine Möglichkeit sieht und dann hat er gesagt Naja kann man ja mal probieren Eine Vorstellung.

00:01:43: und dann lief das die ganze Spielzeit also wirklich ausverkauft Und vor allen Dingen, weil im Theater ja Gott tot ist.

00:01:51: Also die Beschäftigung mit Spiritualität eigentlich fast so wie Sakrileg ist und sowas wo man also fast ich würde schon sagen ein bisschen als dumm abgestempelt wird... ...und dann habe ich aber gemerkt in diesen Vorstellungen das war im neuen Musiktheater da in der Blackbox dass die Leute das irgendwie und vor allem Frauen dass diese Spiritualität mir richtig so gehend so aussaugen wollen, also auch Leute die überhaupt nichts mit Gott oder Kirche zu tun hatten waren so ergriffen und haben mich dann gefragt.

00:02:18: Und ich finde halt dass es gerade heute eben... Ich bin ja auch eine Suchende, ja?

00:02:23: Und ich komme aus der DDR und bin aufgewachsen mit Attismus, ja, Gottes Tod, also Religion obwünftes Volk, ja!

00:02:32: Und ich habe einfach in der Etti, da bin ich so dankbar, da hab' ich endlich ne Entsprechung auch von meiner Spiritualität gefunden, weil die sich ja sehr entwickelt.

00:02:41: Vor allem einer ateistischen Jüdin, die Depressionen hat und die Essstörungen hat und zum Therapeuten geht zu einer, die zufällig... Und das ist ja das Schräge!

00:02:52: Das muss man auch dazu wissen.

00:02:53: wenn sie sagt ich kniehe und diese Gotteserfahrung hat wie sie sagt in einem unordentlichem Badezimmer ist ja im Judentum das Knien nicht die Art des Betens, sondern es ist christlich.

00:03:05: Und das habe ich zum Beispiel gar nicht gewusst.

00:03:07: aber dass sie dann sozusagen so eine Gotteserfahrung und mit Jesus sich da verknüpft damit können ja schon mal die Leute gar nichts anfangen, dass jetzt irgendwie dies doch hüden oder so.

00:03:18: Das sieht das aber weiter entwickelt und dass ihre Spiritualität dann auch verortet wo sie dann sagt wird er wie Gott leiden Tod Ewigkeit muss man wieder vergessen.

00:03:26: man muss einfach nur sein dass sich dann auch so buddhistische Sachen streifen, einfach nur aus sich selbst daraus.

00:03:33: Also nur aus dem.

00:03:34: ich möchte da an einen Kern kommen und deswegen ist das die bisher für mich die Person, die mich am tiefsten spirituell ergriffen hat und deswegen haben wir damals ein sogar ein Kulturverein gegründet, der wir den Namen von ihr gegeben hat.

00:03:51: Und es wollte am Anfang nicht so viele was von ihr wissen, weil sie war halt unbekannt.

00:03:57: in der Niederlande ist die Adhilesum glaube ich so bekannt wie die eine Frank und auch in Amerika aber die Wald hier nicht bekannt.

00:04:03: Aber das Schöne ist dass ich glaube jetzt ist ihre Zeit gekommen.

00:04:06: also ich habe jetzt schon gehört im Deutschlandfunk ist aus über die Adhesium gekommen und finde es cool dass wir einfach... Wir haben ja jetzt schon seit Jahrzehntausendsechzehn da gebohrt und die Löcher werden langsam dicker.

00:04:17: Einen etwas anderen Zugang, aber mindestens die gleiche Faszination für Etti hat die Schriftstellerin Andrea Winkler.

00:04:26: Hier ist Etti in einer Buchhandlung begegnet.

00:04:29: Das ist mir so passiert dass das Buch einfach in eine Buchhandel entgegen gekommen ist allerdings die sehr kurze Ausgabe Und ich habe das dann eigentlich eine Weile mal für mich liegen lassen, obwohl ich sofort sehr, sehr hingezogen und angesprochen war.

00:04:48: Aber für mich war es wirklich sehr gut dass diese Gesamtausgabe erschienen ist letztes Jahr und dort einzutauchen ist schon noch einmal etwas ganz anderes als in dieser verkürzten Form.

00:05:01: War's die drei?

00:05:02: Bettina Buchholz, Andrea Winkler und Etti Hillesum?

00:05:06: verbindet ist die Liebe oder jedenfalls die Verbindung zum Wort zur Sprache zu texten.

00:05:12: Und eine Spiritualität, die offen ist – Eine Suche nach Tiefe und Innerlichkeit.

00:05:20: Es ist sofort dieser ganz unmittelbar direkte Ton dieser Tagebuchschreiberin dieses ganz schnelle Erkennen von diesem Grundwunsch, vom diesem Grundton der dieses Tagebuch trägt und das ist der Wunsch nach einem Durchdringen zur Tiefe, zur eigenen Tiefe über das Wort.

00:05:44: Über die Beziehungen zu Menschen und über dieses wirklich recht umfassende Kennenlernen des Eigenens was in einem Schlumm hat was alles da ist und erkannt werden kann.

00:06:02: Diese Spiritualität ist einfach modern, also modern in dem Sinne wie es sagt uns heute noch etwas.

00:06:08: Und ich finde einfach bei dem, ich sage das jetzt mal vorsichtig, Desaster, was auch in der Amtskirche passiert, finde ich, kann ich das jetzt Menschen und jungen Menschen entgegenhalten und sagen, lehst doch mal die oder hört euch das an?

00:06:23: Dadurch, dass sie das wirklich aus sich selbst und in fehlbarer Mensch und all diese Sachen, die wir alle auch kennen.

00:06:30: Diese weiblichen ... Wie sehe ich aus?

00:06:34: Essstörung, Depressionen... Also den ganzen Mist, den wir da alles so durchmachen.

00:06:40: Das

00:06:41: finde ich so modern!

00:06:42: Und dass sie da einen Weg rausfindet.

00:06:44: Sie könnte sozusagen in den letzten zwei Jahren ihres Lebens ist es das Jahr von XXII bis XXIX bevor sie dann in Auschwitz ums Leben kommen.

00:06:52: Also das ist sich von einem depressiven jungen Menschen entwickelt zu einem Menschen, der das wirklich trägt.

00:06:59: und er trägt?

00:07:01: Das meine ich bin ein bisschen über fünfzig.

00:07:04: Das ist für mich unvorstellbar wie man mit neunzwanzig so eine Weisheit oder so.

00:07:08: Es ist unglaublich aber ich glaube dass es eben auch der Punkt eben sie ist jung!

00:07:13: Es ist nicht irgendwie so eine Kreise die ihr Leben gelebt hat sondern es ist eine junge Frau.

00:07:17: Ich finde sie ist zeitlos.

00:07:20: Sie kann wahrscheinlich zu jeder Zeit auf ihre Art gelesen werden.

00:07:25: Sie hat etwas, was mir ihr Leben als ungeheuer gegenwärtig erscheinen lässt aber sie ist in dem Sinn sehr woanders als im Zeitgäste unserer Zeit.

00:07:39: Sie erkundet und trinkt so in ihre Tiefe und sie nimmt da so vieles mit hinein wovon ich glaube dass man In unserer Zeit, da nicht mehr so selbstverständlich hinkommt.

00:08:18: Ich glaube einfach, sie wird immer mutiger und stärker im sich der eigenen Tiefe aussetzen.

00:08:25: Sie wird immer offener was das betrifft womit sie hier in Kontakt ist.

00:08:30: also für sie ist es ja ein ganz großer Wunsch immer tiefer mit sich selbst und dass ist mehr als ihr ich in Kontakt zu kommen und das erkenne ich als Lesende wie das vonstatten geht.

00:08:46: Die Entwicklung ist sicher so, dass sie von einer Person die ganz stark in Beziehungen auch lebt und die intensiv auch ihre Liebesbeziehungen lebt.

00:08:58: Dass sie von dieser Liebe zu einzelnen Menschen zu einer Liebe kommt, die ihr möglich macht das zu leben was sie dann auch in diesem Lager lebt oder praktiziert Das ist was sehr, sehr großes und was sehr weites.

00:09:17: Was aber ganz und gar nicht zu trennen ist von ihrer sehr konkreten Liebeserfahrung, von der sie ausgeht.

00:09:24: Das gehört hier als ganz starker Teil dazu.

00:09:29: Das ist eine Entwicklung – eine ganz deutliche.

00:09:33: Na ich glaube es ist ja auch lange in Therapie gegangen und da hat sich vielleicht auch in diesem tollen Therapeuten ein gutes Gegenüber gefunden, der eben wirklich schon ein reifacher Mensch war.

00:09:41: also das Ich halte eh immer im Plädoyer.

00:09:44: Mein Mann ist ja selber Psychotherapeut, ich sage immer... Also er sagt immer geht doch zum Therapeuten wenn ihr noch gesund seid!

00:09:51: Weil wenn es dann schon schwieriger ist, dann ist es auch schwieriger da wieder rauszufinden und das denken oft die Menschen nicht.

00:09:57: Menschen gehen eigentlich erst in Therapie, wenn sie wirklich ganz weit unten sind und wenn die Depression schon richtig zugeschlagen hat aber.. Und das hat ja die Etti auch gemacht.

00:10:05: Ja also das hat sich ja wirklich regelmäßig über Jahre gemacht.

00:10:08: Also Therapie hilft uns ja auch bei diesem zu uns kommen Und ich finde, das ist ein probates Mittel.

00:10:21: Also zum einen ist es schon ein sehr großer Wunsch von ihr dieses bei sich selbst zu Gast sein... ...von Anfang an und dann hat sie auch wirklich durch diese ungewöhnliche Therapie gelernt also einfach durch die Sicht da voll ins Einlassen und auch mit allen Widerständen.

00:10:46: Und sie schreibt selber, da zitiere ich sie jetzt einfach, Sie schreibt das sie Julius Spier verdankt dass sie sozusagen sich diese Irretiefen erschließen konnte in diesem bei sich selbst zu Gast sein und sie sagt, dass sie ihm verdankte dass sie den Namen Gottes wieder aussprechen kann.

00:11:09: Man spürt in diesem Tagebuch, dass zunehmend die Anführungszeichen wegfallen und dass sie hier ein Gegenüber hat.

00:11:18: Sie sagt ganz klar oder schreibt sehr klar, das hat etwas zu tun mit diesem Inberührungsein, mit ihrer Quelle, mit dem was sie Urquelle nennt.

00:11:29: Und diese Entwicklung Sie ist sehr stark und ich glaube, dann nimmt sie einfach etwas von dem was sie in der Intensität der Beziehung der Begegnung erlebt mit hinein in ihre Stille.

00:11:42: Und folgt dort den Bedürfnis des tiefen Sinkens.

00:11:49: Beierst das ganz konkret, sie spricht immer wieder davon dass ihr das Bedürftnis verspürt zu knien.

00:11:56: Das ist was sehr körperliches.

00:11:59: Dass dieser Raum den sich da erschließt Zudem verhilft, dass sie sagt das es dieses in sich ruhen meint.

00:12:08: Das ist ja das was sie ganz stark begehrt stärker in sich zu ruhen

00:12:38: Die Hände vor dem Gesicht und Spüre.

00:12:41: Die einzige Gewissheit, wie du leben sollst und was du tun musst kann doch nur aus denjenigen Quellen aufsteigen die dort in deiner eigenen Tiefe spudeln zu Boden gezwungen durch etwas

00:12:56: das stärker ist als ich selbst.

00:13:00: Ich übe mich im Knie Ich geniere

00:13:04: mich noch zu stark

00:13:05: wegen dieser Gebärde, die genauso intim ist wie die Gebärden der Liebe über die man

00:13:09: auch nicht sprechen kann, wenn man kein Dichter isst.

00:13:13: Bettina Buchholz in einem kurzen Ausschnitt aus ihrem aktuellen Theaterprojekt mit dem Titel Etti Hillesum und Leonard Cohen zur jüdische Lyrika-Innen voller Erotik, Spiritualität und Leidenschaft Sie hören heute in der Sendung Perspektiven, die Gedanken von Schauspielerin Bettina Buchholz und Schriftstellerin Andrea Winkler über Ette Hillesum.

00:13:38: Eine junge jüdische Frau, die in den zwei Jahren vor ihrer Ermordung in Auschwitz begonnen hat Tagebuch zu schreiben – Notizen, in denen sie sich kein Blatt vor dem Mund nimmt.

00:13:50: Sie ist radikal ehrlich zu sich selbst und damit zu uns ihren Leser

00:13:56: erinnern.".

00:13:57: Sie schreibt offen über Themen wie Freundschaft, Sexualität und ihre Beziehung zu Gott mit dem sie im Tagebuch in ein sehr persönliches Gespräch tritt.

00:14:08: Und das ist glaube ich schon noch etwas womit wir uns sehr schwer tun auch heute weil es nichts Intimeres gibt als das Sprechen über diese Beziehungen.

00:14:21: Es ist vergleichsweise einfach über Sexualität zu reden und über schwierige, schöne oder sonst welche Erfahrungen damit.

00:14:30: Aber es ist sehr viel schwieriger also sozusagen sich einer Sprache zu öffnen in der die Beziehung auch

00:14:39: eben

00:14:40: ja thematisiert werden kann Und ich glaube, was es einfach braucht und wo sie so inspirierend ist – aber das ist genau da.

00:14:51: Sich in der Öffnung dafür nicht irritieren zu lassen von dem, was dem im Wege steht, wovon es eine Menge gibt?

00:14:59: Aber das ist nicht entscheidend!

00:15:04: Ich

00:15:10: bin überzeugt, dass die Intensität, mit der sie ihre Liebe gelebt hat.

00:15:15: Ihre sexuelle Liebe und die Intenzität mit der das auch Raum hatte.

00:15:21: Und zwar wirklich als etwas was nicht nur sein darf sondern was auch ein ungeheuer kostbares Geschenk ist weil es uns verbindet mit einer unglaublichen Tiefe dass das nicht abzuspalten ist von der Art wie Sie Ihre Gotteserfahrung beschreibt.

00:15:41: Das gehört zusammen, ich meine das ist ihr so wichtig dass sie immer wieder sagt wir sind ein Geist ein Körper und eine Seele.

00:15:52: Und dann kommt dazu auch noch das Intellektuelle Dass sozusagen nur ein Teil dieser Geistigkeit ist und nicht die allerwichtigste Aber eine die man gut zu gebrauchen weiß.

00:16:04: aber Das ist nicht das Wichtigste, aber ihr kommt es ganz und gar auf diese Zusammengehörigkeit an.

00:16:12: Das Leibliche ist davon in keiner Weise abzuspalten.

00:16:17: Es is eine Quelle von dem wie sie erfährt Was Liebe iß.

00:16:23: Und was sollte sie mit einer Gottesbeziehung ohne diese Liebeserfahrungen anfangen?

00:16:39: Viele Menschen, vor allem Frauen schöpfen ihre Kraft aus einem anderen Menschenstatt direkt aus dem Leben.

00:16:48: Jener Mensch und nicht das Leben ist dann die Quelle.

00:16:52: Ach, die Frauenfrage

00:16:53: ist nicht

00:16:53: so einfach!

00:16:55: Für unser weibliches

00:16:56: Selbstwertgefühl

00:16:58: sollte es einfach kein Maßstab sein ob und wie oft ein Körper den unseren begehrt.

00:17:06: Manchmal bin ich auf der Straße eine Frau sehe – eine schöne

00:17:12: pflegte

00:17:13: ganz und gar weigliche, etwas dumme Frau.

00:17:18: Wenn sie sich aus dem Gleichgewicht bringen, dann spüre ich meinen Verstand, meinen Ringen, mein Leiden als etwas das mich bedrückt – also etwas hässliches, etwas unweigliches.

00:17:30: Dann wäre ich einfach gerne nur schön und dumm!

00:17:33: Ein Spielzeug, das von einem Mann begehrt wird.

00:17:37: Ja vielleicht muss die Richtige, die innere Frauenemzipation erst noch beginnen?

00:17:41: Wir sind noch keine richtigen Menschen, wir sind

00:17:44: Weibchen.".

00:17:45: Worte von Etti Hillesum der Bettiner Buchholz ihrer Stimmeleit.

00:17:51: Über ihr Frausein und das Frausein an sich macht Etti sich in ihren Tagebüchern immer wieder Gedanken.

00:17:59: Auch da geht es ihr darum eine tiefere Verbindung zu sich selbst und zur inneren Quelle zu finden.

00:18:06: Na die Etti sagt wäre super wenn wir so weit wären dass wir nicht Männer bräuchten die uns sexuelle Attraktiv fänden, dass wir uns als Frau toll finden.

00:18:13: Und dann denke ich heute ist da jetzt irgendwas schon weitergegangen?

00:18:17: Nee!

00:18:18: Das heißt, wir brauchen ob jetzt ein Mann oder eine Frau aber wir brauchen zur Bespätigung unserer Attraktivity immer noch jemand anderen und das finde ich ihm auch so total modern bei ihr.

00:18:29: Dass es quatsch

00:18:29: ist...

00:18:31: dass wir dafür keinen anderen Menschen brauchen.

00:18:35: Also das find' ich auch cool, dass sie da sagt irgendwie Wir sind doch keine richtigen Menschen, wir sind Weibchen ist so.

00:18:41: Und dass sie sagt, es muss vielleicht die innere Frauenemmerzipation erst noch beginnen.

00:18:44: Das finde ich so ein schönes Wort weil ich sage die Innere und nicht so Kampfmodus sondern einfach was Zartes eigentlich.

00:18:52: Es muss von innen heraus.

00:18:53: wenn ich jetzt zum Beispiel meine Töchter angucke dann denke ich die gehen mit manchen so selbstverständlich um.

00:18:59: da musste ich Alt werden, um das zu kapieren und die haben das schon.

00:19:05: Und da wünschte ich mir dass das noch weitergeht und es bleibt so eine Selbstverständlichkeit bleibt in dem Das Frauen nicht immer zugeschrieben wird sie sind die Schwächeren und sowas ja?

00:19:15: Und dass man immer mit dieser Angst mache Ja Frauen könnte was passieren auch immer hausieren geht ja.

00:19:20: also.

00:19:22: Ich glaube auch dass Frauen nicht besser sind als Männer.

00:19:24: Ich glaube doch dass Frauen genauso zu gewaltfähig sind wie Männer.

00:19:28: Aber das ist einfach die Geschichte.

00:19:29: solange das immer so geschrieben hat ja und ich finde dürfen wir jetzt Frauen mal anstarrt und da dürfen sie auch mal ihre Fehler machen.

00:19:36: Und dann werden sie gewaltig Fehler machen, glaube ich auch!

00:19:39: Das gehört aber dazu.

00:19:40: Ja kann man jetzt nicht sagen... Ne ist klar!

00:19:43: Ich meine wenn man Jahrhunderte irgendwie in anderen, wenn man immer maximal ein zweiter Stelle war und das schon sehr weit vorne gewesen wäre.

00:19:51: ja also dann müssen Frauen jetzt auch erst einmal lernen wie gehen Sie mit Macht um?

00:19:56: Wie gehen sie mit Machtmissbrauch um?

00:19:58: Und wie regeln sie das?

00:20:00: Frauen sind nur Menschen.

00:20:01: Sie geht, glaube ich wirklich davon aus dass wir alle einfach Mensch sind und Mensch werden müssen.

00:20:08: Und damit meint sie ja eben auch immer wieder etwas das koppelt sich zurück an ihr Leitmotiv des Tagebuches nämlich also es koppelst sie wirklich zurück an die Gott-Ebenbildlichkeit.

00:20:20: Wie jeder Mensch kennt, ähtte hiles um die Widersprüchlichkeit, die wir in uns

00:20:25: so

00:20:26: oft vorfinden.

00:20:28: Gerade die radikale Ehrlichkeit, mit der sie über ihre inneren Kämpfe die Lehre das Nichtwissen schreibt macht Sie so glaubwürdig.

00:20:39: Und es führt zu einer Haltung, die wir heute genauso wie damals so nötig brauchen.

00:20:45: Etti erkennt die Widersprüchlichkeit nämlich nicht nur in sich – sie gesteht sie auch allen anderen zu!

00:20:53: genauso wie die Fähigkeit sich seiner inneren Quellen zuzuwenden und daraus zu leben.

00:21:00: Es ist ja so, dass in diesem Tagebuch immer wieder von einer Hoffnung die Rede ist – und zwar von der Hoffnung, das nach diesem Krieg die Menschen sozusagen sich stärker ihrer eigenen Quelle zuwenden also dem was uns als Menschen zum Menschen macht.

00:21:20: Sie hofft da sehr stark, dass Menschen die Fähigkeit haben sich wirklich in ihr eigenes hineinzuwagen.

00:21:27: Weil sie glaubt das das einzige ist was uns als Menschheit anders werden lässt.

00:21:35: Für sie ist es sehr stark verbunden.

00:21:37: also wir können im Gemeinschaft sein in einer großen Gemeinsschaft in einem Weltgemeinschaft nur wenn also in einer Lebenswerten, wenn wir in uns selber zu Hause sind oder bei uns selber zugast sein können.

00:21:54: Was ja sehr viel mehr umfasst.

00:21:57: Da gibt es etwas was sie immer wieder schreibt nämlich dass Es so wichtig ist zu dieser Menschenliebe und zu dieser Menschheitsliebe im weitesten Sinn durchzudringen und zwar in sich selber.

00:22:14: und das geht ja nur, indem der andere auch herausgehoben wird aus dem Gefängnis seiner Zuschreibungen.

00:22:25: Der Urteile die auf ihm liegen.

00:22:27: Hass gehört nicht zu meinem Charakter.

00:22:30: Hass ist eine Krankheit der Seele.

00:22:32: Jedes kleine bisschen

00:22:34: Hass dass man den bereits existierenden vielen Hass hinzufügt macht diese Welt noch

00:22:40: unbewohnbarer.

00:22:41: und ich habe so viel Liebe liebe

00:22:45: Spiel sagt

00:22:46: Dies

00:22:46: ist eine Zeit, um das schön die Tat und zu setzen.

00:22:50: Liebt eure Feinde!

00:22:53: Und wenn wir das sagen, dann muss man doch glauben

00:22:57: dass es möglich ist.

00:22:59: Je schlimmer die Umstände desto größer wird Attis Liebesfähigkeit.

00:23:04: In einem Brief aus dem Lager Westerborg schreibt sie Das Leben ist etwas Herliches und Großes.

00:23:12: Wir müssen später eine ganz neue Welt aufbauen Und jedem weiteren Verbrechen, jeder weiteren Grausamkeit müssen wir ein weiteres Stückchen Liebe und Güter gegenüberstellen, das wir in uns selbst erobern müssen.

00:23:27: Wir dürfen zwar leiden aber wir dürfen nicht darunter zerbrechen!

00:23:32: Und wenn wir diese Zeit unversehrt überleben – körperlich und seelisch unversehrt aber vor allem selisch ohne Verbitterung, ohne Hass Dann haben wir auch das Recht, nach dem Krieg ein Wort mitzureden.

00:23:48: Vielleicht bin ich eine ehrgeizige Frau?

00:23:51: Ich möchte ein sehr kleines Wörtchen mitreden!

00:23:55: Also dass wir ganzes aufbäumen, dass wir noch nicht diese Welt geschaffen haben in der wir eigentlich leben wollen.

00:24:02: Wie sie ja sagt, wir müssen später noch ne neue Welt machen und wir müssen jeder Grausamkeit n Stückchen Güte... entgegensetzen.

00:24:09: Ich meine, das sind ja irre Worte!

00:24:10: Aber da ist man wirklich in die Tat umzusetzen.

00:24:13: Also nicht immer zu sagen, Gott ich kann nichts tun, Gott, ich kann nix tun, sondern das sieht man ja jetzt auch zum Beispiel an den Demonstrationen in Deutschland erst.

00:24:20: Es war ewige Stille und was niemand hat sich irgendwie... aber wir können etwas tun.

00:24:26: Wir können etwas TUN im Außen und in unserem Inneren für beides.

00:24:33: Kann ethe Hillisum Wegbegleiterin sein.

00:24:36: Sie hat sich engagiert und für ihre Mitmenschen tatkräftig eingesetzt.

00:24:41: Lasst mich das denkende Herz seines ganzen Konzentrationslagers sein, schreibt sie.

00:24:47: Und?

00:24:48: Sie hat verstanden wie wichtig für unsere Gesellschaft Menschen sind die sich mit sich selbst auseinandersetzen.

00:24:56: Schon früh notiert sie folgende Zeilen Ich werde meine Probleme lösen müssen und ich habe immer das Gefühl wenn ich sie für mich löse dass ich sie auch für tausend andere Frauen löse.

00:25:10: Und darum muss sich mich mit allem

00:25:13: auseinandersetzen.".

00:25:16: Es sind mittlerweile nicht Tausen, sondern Tausende – wenn nicht mehr – Frauen und auch Männer die durch Etis Tagebücher inspiriert und berührt wurden.

00:25:26: Unsere Probleme müssen wir selbst lösen, jede und jeder für sich aber Etti hat eine Spur dafür gelegt auf der man ihr folgen kann.

00:25:36: Wir müssen den Weg nicht alleine gehen.

00:25:39: Man kann einfach da von ihr lernen, dass es uns allen gleich geht und das es ihr genauso ging und dass sie's auch lernen musste und dass es einfach Tag gibt, da geht es und es gibt Tage, der gehts nicht.

00:25:51: Und manchmal kann man das alles ablettern und kann zu sich selbst kommen und manchmal kann was nicht und das soll mal einfach akzeptieren.

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